Let it snow, let it snow …

Der erste Schnee 2018.

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Das Böse, das nicht schläft

 

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Er nahm die Axt, schlich sich an das Haus heran in der dunklen Nacht. Ein Flügelschlag, die Eule erstarrte, er blickte in ein grüngelbes Augenpaar und erschrak. Menschlich die Regung, anders als das, was er später tat. Zwei waren in der Garage, schwach erleuchtet durch eine Glühbirne mit 40 Watt. Kein Schrei. Wachte jemand von einem schlechten Traum auf, diese Nacht? Bist du das? Jetzt war er im Haus. Ja? Nein? Schweigen? Die Axt bluttriefend, die anderen waren dran. Er war bereit, zwei Schädel schlug er schon entzwei. In jedem Zimmer brannte Licht, Lichterketten blinzelten vorweihnachtlich, so fand man das Haus vor. Und ein Restleben, das am seidenen Faden hing und später ins Leben zurück fand, doch leben will es nicht. Machte er die Lichter an, sah im Dunkeln seine Opfer nicht? Die Eule, die Maus, die der Eule entkam, keine weiteren Zeugen in der schwarzen, schwarzen Nacht. So geschah es am 4. Dezember 2008.

Die Landschaft hüllt sich in ein unschuldiges Weiß, es weihnachtet. Auch das Böse wird am Weihnachtstisch sitzen, gleich hier, unter uns. Manchmal wollen wir es nicht wissen.

Die Rückkehr des Winters `16

14. März ´16. Der Winter gibt nicht auf, Beweisfotos vom heutigen Morgenspaziergang. Korrektur: Es soll 15. März heißen. Anscheinend habe ich den gestrigen Tag verschlafen.

Hund, Glück, Morgenlicht

 

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2. März, kurz nach 7:00

Ich: Heute reden wir über das Glück
Hund1: Ich will nicht reden
Ich: Was bedeutet für dich Glück, Hund1?
Hund1: Ich höre dich nicht
Ich: Hund2?
Hund2: Ich passe in ein Glück viermal hinein!
Ich: Du weißt nicht, wovon du sprichst, oder?
Hund2: Nein
Ich: Trotzdem lieb. Hund1?
Hund1: Was weiß ich, ein Stück Wurst im Morgenlicht

Mit Hunden kann man über so etwas nicht reden. Wieviel klüger wir Menschen doch sind. Glück ist … ist … ich gehe mir das Morgenlicht genauer anschauen.

Schnee! / 2

21.01.16. Schnee, Frost, kalt, windig, trotzdem sehr schön.

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Im Wald
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Im Wald
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Waldweg
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Mitten im Weg liegt ein totes Huhn. Oder etwas anderes, es fehlt der Kopf. Mein Hund wollte der Sache auf den Grund gehen, durfte aber nicht.
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Dompfaffen, diesmal ein Damenüberschuss.
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Am Waldrand
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Am Waldrand

Zuviel

sterndoldeWas könnte ich hergeben mit leichter Hand? Jacken, Pullis, Kleidung aller Art, zusammen etwa einen Sack voll oder zwei. Tassen, Teller, Schüsseln, Schalen, Vasen, Töpfe, Geräte, Handys, Toaster, Eierkocher, selbst Waschmaschinen habe ich zwei. Etliche Quadratmeter könnte ich abtreten. Ferner Teppiche, Bettwäsche, Tischdecken und Tische auch. Ich habe noch viel mehr wertlose Fracht. Aber draußen kann es mir nicht genug sein. Nicht genug Bäume, Grün, Winter meinetwegen, Blumen, Luft oder Tierspuren im Schnee. Ein Zuviel kann zweierlei bedeuten, eine mannigfaltige Pracht, aber auch nichts als unnütze Last.

Eine Winterhochzeit

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Hier liegt ein Mann, gestorben im Jahr 2008, geliebter Vater, Großvater und Ehemann. Das Dorf hat vergessen. Niemand mehr sagt, dass der Mann seine Braut erschlug und sie tot in den Brunnen warf. Der Mann sagte damals aus, er wüsste nicht, warum sie zum Brunnen ging, er begleitete sie zum Haus, verabschiedete sich dann. Mörder, rief die Mutter der Braut im Gerichtssaal als der Richter auf einen Unglücksfall entschied. Mörder! Warum habe ich meine Tochter nicht? Sag! Warum? Sie schrie ihm das immer und immer ins Gesicht. Nur schaute er nicht auf, er hob nicht den Kopf, ging weiter still. Auf der Straße, vor der Kirche, jedesmal wenn sie an seinem Haus vorbeiging. Mörder! Sie fiel nicht hin! Sie rutschte nicht aus! Was wollte sie am Brunnen? Sag es mir! Mörder!

Vierzig Jahre nach der dunklen Winternacht verstarb die Mutter der Braut, der Mann atmete auf. Er überlebte sie um gut zwanzig Jahre, aber er hob den Kopf immer noch nicht. Das Dorf glaubte ihm nicht, aber alles schwieg. Ertrug er duldsam den Rufmord oder trug er schwer an seiner Schuld? Das Dorf hat längst vergessen, das Geheimnis liegt sicher im Grab.

An einem Tag im Winter, gerade dieser Tage heiratet ein Paar. Es werden Ringe, mit Steinen so klar wie Tränen, angereicht. Es sind Tränen. Tränen der Braut, die im Brunnen ertrank, eine für sie und eine für ihr ungeborenes Kind. Nun tritt die Braut vor den Altar.