Gedankenlos

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Schultern, Hals, schlecht frisierter Kopf, darin ein Durcheinander, ich warf ja alles in einen Topf. Bis, bis ich es nicht mehr aushielt und kurzerhand auszog. Aus dem Haus? Nein, aus dem Kopf. Ist da wer? Leer, antwortet das Echo, leer, er, er.

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Schwarzfahrer

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Der Kopfbus hält an, die Gedanken steigen ein, steigen aus wie bei der Straßenbahn. Vielfahrer, Wenigfahrer, Schwarzfahrer – die sind gerissen. Einzig die Buchstabensalate lassen sich häufig erwischen. Sie schauen mich verloren, wirr, fragend an. Wir fahr´n, fahr´n, fahr´n auf der Autobahn …

Kompliziert

imageIn mich hinein erklärte ich´s mir, sehr kompliziert, aber ich verstand´s, dem Himmel sei Dank! Bei den Eichen war ich mir ganz sicher, bei den Buchen immer noch, bei den Pappeln verlor ich den Faden, nahm ihn wieder auf am Wassergraben. Dort bereits voller Zweifel, der Erklärungsturm nur hochgestapelt, nicht sturmsicher, wackelt, fällt. Ich gehe nach Haus´, stehe im Flur, Regentropfen hängen an meines Südwesters Schnur. Ich verstehe nichts mehr. Was soll´s, meinetwegen. Hunde, wir müssen wieder in den Regen!

Stille

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Das Kind mit dem ernsten, ruhigen Gesicht übte heimlich den heiteren Blick, riss die Augen auf und zog die Mundwinkel bis zu den Ohren hoch. Etwas seltsam, doch das Kind wirkte fröhlich. Es tanzte, sang schräg, trug Gedichte vor. Heute, wenn ich an einem geselligen Tisch sitze, ein reißfestes Glied einer Frohsinnskette, wieder breit lachend und schwungvoll wie platt schwadronierend, denke ich betreten und sprachlos im Innern, wie gut würde mir doch die verlernte Stille stehen.

Hund, Glück, Morgenlicht

 

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2. März, kurz nach 7:00

Ich: Heute reden wir über das Glück
Hund1: Ich will nicht reden
Ich: Was bedeutet für dich Glück, Hund1?
Hund1: Ich höre dich nicht
Ich: Hund2?
Hund2: Ich passe in ein Glück viermal hinein!
Ich: Du weißt nicht, wovon du sprichst, oder?
Hund2: Nein
Ich: Trotzdem lieb. Hund1?
Hund1: Was weiß ich, ein Stück Wurst im Morgenlicht

Mit Hunden kann man über so etwas nicht reden. Wieviel klüger wir Menschen doch sind. Glück ist … ist … ich gehe mir das Morgenlicht genauer anschauen.

Frühjahrsputz

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– Kann die Leber weg? Fragt der winzig kleine Mann in Weiß mit dem Kehrbesen in der Hand.
– Neeeein! Ich sagte Belastendes muss raus, will ein neuer Mensch werden, doch nicht gleich tot.
– Gut, und das? Es steht darauf „belastet mich, persönlich, soll weg“, aber ich frage lieber. Weg?
– Ja, ja, natürlich, das heißt nein, das bleibt.
– Aha. Der Verstand, der wiegt zwar nicht viel, aber …
– Untersteh´ dich!
– Dein gutes Aussehen vielleicht?
– Der war gut.
– Ich weiß.
– Aber nicht witzig! Pack dein Zeug ein!
– Ich denke, du willst ein neuer Mensch werden, wer hilft dir jetzt dabei?
– Das schaffe ich schon allein.
– Der war gut.
– Ich weiß.

Der Karpfen im Teich

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Heimlich bei Nacht verließ der Karpfen den heimischen Teich. Er blies die Kiemen auf, strich die goldenen Schuppen glatt und stürzte sich kopfüber ins Vergnügen am Land. Er wollte mehr vom Leben haben. Am Morgen darauf trieb sein zerfledderter Leib obenauf im Teich. Wie leichtsinnig, verblendet, das Mehr verdirbt uns alle, brodelte es am schlammigen Boden des Teichs. Der Fuchs, er war´s, gab später listig an, der Karpfen sah zwar ungewöhnlich lebendig, doch einem Impfköder nicht unähnlich aus. Armer Karpfen, er dachte, er könnte mehr vom Leben haben. Ich würde immer wieder den Teich verlassen wollen, ganz gleich, was ich draußen finde. Mehr oder weniger.

Bildquelle: https://pixabay.com/de/fuchs-tier-gucken-470247/

Hund im Haus. Eine Kosten-Nutzen-Analyse

imageNüchtern betrachtet, ich kann nicht anders, was bleibt übrig, frage ich mich? Was bleibt übrig nach Abzug aller Kosten, Mühen und Zeit. Nicht viel. Hunde erzeugen Wärme, heißt es, eine komplizierte Umrechnung, doch am Ende reicht es für nichts. Hunde verteilen das Chi, die gute Energie, die sich sonst im Hausflur stauen würde. In der Tat verteilen wir sehr viel, allein wie sie mich zum Narren halten mit dem Ich-muss-raus-gar-nicht-wahr-ich-muss-nicht-Spiel. Es sieht nicht gut für euch aus! Ohgottohgottohgott, verzweifelt Hund2.
– Was sagst du dazu, Hund1?
– Nüchtern betrachtet, sagst du?
– Ja
– Schenk´ dir was ein und trink´!