Fangenspielen

imageLass los! Lass los, pfeift mir der Wind zu, scharf, kalt, peitschend zischt er mir ins Ohr. Ich knöpfe die Jacke zu, verschränke die Arme, beuge mich vor, beschleunige, renne schon. Es ist wie damals auf dem Schulhof. Warum lässt du dich nicht fangen, krächzte dünn mein kleiner Freund, schwer nach Atem ringend. Bist nicht schnell genug, sagte ich. Gott, ist er dumm! Aber das Fangen gehört dazu, es ist das Beste am Spiel, sagte er und zog beleidigt davon. Ich rannte, so verstand ich das Spiel. Ich halte fest, lasse nicht los, wie könnte ich. Es wird leichter für dich, wirf hin, lockt der Wind, jetzt irgendwie freundlicher gestimmt. Aber ich verstehe auch dieses Spiel nicht.

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Bube, Dame, As

imageNein und Vielleicht. Mir ist das Ja abhanden gekommen. Das Ja war offen, entschlussfreudig, bejahend, manchmal aufmüpfig, ging Risiken ein, nahm Einladungen an. Passte nicht zu mir, ich habe es zum Teufel gejagt. War vielleicht ein Fehler. Vielleicht, nein, vielleicht nein. Ich stecke fest, komme keinen Schritt voran. Außerdem fehlt ein Dritter beim Skat, einer der das Spiel macht. War vielleicht ein Fehler.

Am Fluss

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Der hoch und weit geschossene Ball fiel in den Fluss, wodurch er sich dem Fußballspiel, das zwischen den Klassen 4a und 4b zu geschehen hatte, entzog. Du Idiot, selber Idiot, dem Ball hinterher! Jemand hatte einen guten Plan und rief, dass man sich vorne an der Flussbiegung aufstellen soll, er blieb ungehört. Wir alle rannten am steilen Ufer entlang, manche hangelten sich an den Sträuchern zum Flussbett hinunter, andere stocherten blind mit langen Stöcken ins Wasser hinein. Die meisten schrien nur laut oder stritten bereits, angesichts des drohenden Ballverlustes, um die Wertung des Spiels. Der Ball, der Ball. So spielten wir damals am Fluss.

Was wäre, wenn. Manchmal kehrte der Ball ins Spiel zurück, manchmal riss ihn der Fluss mit sich fort. Es geschah, was zu geschehen hatte oder es nahm stattdessen das Ungeschehene – was nun geschah – seinen Lauf. Was wäre, wenn? Ich halte mich damit nicht auf. Es ändert doch nichts.

Es ist vorbei, wenn’s vorbei ist

Stöckchenspiel

Stöckchen werfen ist ein Spiel in vielen Varianten. Ich werfe hundert Mal hintereinander und der Hund kriegt sich vor Freude nicht ein. Bei hundert und erstem Mal schüttelt er sich nur, kratzt sich zurecht und geht, wir spielen nicht mehr.

Soll mich nicht wundern. Manchmal fragt mich jemand, ob ich dieses oder jenes schon gehört hätte? Während ich überlege, wie ich ja sage ohne mich zu verraten, dass doch nicht, ist es bereits zu spät. Die Geschichte steuert auf ihren Scheitelpunkt zu. Ich will mich nun doch hineinfinden, aber plötzlich ist Schluss. Der Erzähler unterbricht sich selbst mitten im Satz, er muss weg, keine Zeit, war nett mich zu sehen, wir reden dann weiter. Worüber? Das Stöckchenspiel ist mir doch lieber.