Ein Wintergast, …

… der bis zum Frühling blieb. Bambi – mein schwieriger Pflegehund. So schwer es mir anfangs fiel einen Hund, der nicht mein Sternchen, nicht mein großer Schatz war in meiner Nähe zu haben, so tränenreich wird die Trennung sein. Auf sie wartet schon ein neues Zuhause, es dauert noch ein Weilchen, bis sie dort einziehen kann.

 

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Hund im Haus. Eine Kosten-Nutzen-Analyse

imageNüchtern betrachtet, ich kann nicht anders, was bleibt übrig, frage ich mich? Was bleibt übrig nach Abzug aller Kosten, Mühen und Zeit. Nicht viel. Hunde erzeugen Wärme, heißt es, eine komplizierte Umrechnung, doch am Ende reicht es für nichts. Hunde verteilen das Chi, die gute Energie, die sich sonst im Hausflur stauen würde. In der Tat verteilen wir sehr viel, allein wie sie mich zum Narren halten mit dem Ich-muss-raus-gar-nicht-wahr-ich-muss-nicht-Spiel. Es sieht nicht gut für euch aus! Ohgottohgottohgott, verzweifelt Hund2.
– Was sagst du dazu, Hund1?
– Nüchtern betrachtet, sagst du?
– Ja
– Schenk´ dir was ein und trink´!

Das Tagewerk

imageDu hast wieder unser Frühstück vergessen. Das habe ich noch nie, Du Lump. Ich stehe auf und strahle, wenn auch noch auf Sparflamme in mich hinein. Das Frühstück ist schnell gemacht. Wir müssen raus und Du auch, die Vögel füttern. Ich weiß, also Mütze auf und hinaus. Jetzt Kaffee, seid still. Jetzt Arbeit. Du musst nicht arbeiten. Muss ich doch, allein Du kostest einen halben Lohn. Ich bin mit mir zufrieden. In das ewige Buch, auf die Haben-Seite trage ich „selbstlos“ hinzu. Warum nicht, stehe ich mal vorm Jüngsten Gericht, wird die beschönigte Selbsteinschätzung nicht meine größte Sünde sein. Ich lache wieder, bin gut gelaunt. Ich lege eine Pause ein, wir drehen eine Runde. Und dann, Ruhe, Ihr zwei, Matlock läuft. Kennen wir schon auswendig. Ich auch, gebe ich ausgelassen zu. Wieder Arbeit, dann ist Schluß. Jetzt ein wenig aufräumen. Vier braune Augen, zwei Bernsteine, zwei Haselnüsse folgen dem Mopp. Habt alles gut im Blick, nicht wahr? Hab‘ ich so eingerichtet. Alles in die Küche, es wird gekocht. Du musst so kochen, dass viel herunterfällt. Glaubst Du, dass weiß ich nicht, Herrgott, was da schon alles herunterfiel. Draußen wird es dunkel, wir gehen raus, ich spiele mit dem Taschenlampenlicht, wir sind schließlich allein. Das Tagewerk ist fast vollbracht. Gute Nacht noch und in den Schlaf hinterm Ohr und am Bauch kratzen.

War es viel, war es wenig? Oder reicht es, am Ende des Tages einfach zufrieden zu sein? Im Advent verlange ich irgendwie nicht mehr.

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Wir alle spielen Theater

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Hinaus, sage ich, stehe da mit ausgestrecktem Arm und angehobenem Kinn. Meine Hunde, denen die theatralische Geste gilt, lenken ein, sie haben verstanden. Hinausgehen werden sie freilich nicht, aber nun ärgern sie mich nicht. Wir sind ein eingespieltes Team, verstehen einander gut. Der dramatischen Pose bedürfte es eigentlich nicht. Ach was, schadet nix, spricht unbekümmert der Mensch aus mir. Ich habe eine Rolle zu spielen.

Das Interview

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Ich: Stimmt es, dass Du die Menschen, die Du kennen solltest bereits allesamt kennst?
H: Ja. Und ich füge hinzu, dass ich die meisten davon hätte nicht kennenlernen müssen.
Ich: Was sollen die Menschen von Dir denken?
H: Das ist mir egal. Es kommt einzig darauf ein, wie man sich selbst fühlt, und ich fühle mich wichtig.
Ich: Jaaaa, das lässt Du einen auch deutlich spüren …
H: Und? Was willst Du jetzt machen?
Ich: Gibt es etwas in Deinem Leben, was Du bereust?
H: Machst Du Witze?
Ich: Wir kommen irgendwie nicht weiter. Danke für das Gespräch.
H: Ist mir recht. Hauptsache, Du gehst nicht fort.
Ich: Werd‘ ich nicht (du eingebildeter Hund).

Es ist vorbei, wenn’s vorbei ist

Stöckchenspiel

Stöckchen werfen ist ein Spiel in vielen Varianten. Ich werfe hundert Mal hintereinander und der Hund kriegt sich vor Freude nicht ein. Bei hundert und erstem Mal schüttelt er sich nur, kratzt sich zurecht und geht, wir spielen nicht mehr.

Soll mich nicht wundern. Manchmal fragt mich jemand, ob ich dieses oder jenes schon gehört hätte? Während ich überlege, wie ich ja sage ohne mich zu verraten, dass doch nicht, ist es bereits zu spät. Die Geschichte steuert auf ihren Scheitelpunkt zu. Ich will mich nun doch hineinfinden, aber plötzlich ist Schluss. Der Erzähler unterbricht sich selbst mitten im Satz, er muss weg, keine Zeit, war nett mich zu sehen, wir reden dann weiter. Worüber? Das Stöckchenspiel ist mir doch lieber.

Ein schlechter Menschenkenner

Ich bin eigentlich ein guter Menschenkenner, aber diesmal lag ich daneben. Wenn ich das höre, weiß ich, dass ich keinen guten Menschenkenner vor mir habe. Und dass es von hier nicht weit bis zum „Du kennst die Menschen nicht“ ist. Stimmt, tue ich nicht. Als ob es was Schlechtes wäre.

Ich sage meinem Hund immer wieder, dass er bestimmt nicht bei den Nachbarn wohnen will, und wenn sie noch so viele Eimer mit Trockenbrot in der Garage stehen haben. Ich habe ihm aufgezählt, was er drüben alles nicht hätte, habe ihn böse angeschaut, er glaubt mir doch nicht. Er ist ein Charlie Brown, leichtgläubig, einfach zu täuschen, von Menschen versteht er nichts. Und das ist bestimmt nichts Schlechtes.

Mein Hund, ein schlechter Menschenkenner
Mein Hund, ein schlechter Menschenkenner