So ist das Leben / 2

truebertag

Rhythmisches Klopfen und ein gepfiffenes Lied, ich renne zur Tür. Es klopft bei den Nachbarn, nicht bei mir. Komm´ heraus! Eine Lieferung, ein Leben, dein eigenes, blank geputzt wie neu, unterschreib´. Ein dumpfes Flehen dringt von nebenan. Mach´ bitte auf! Du hast es gehört, es ist deins! Die Tür geht nicht auf. Soll ich den Glücksboten zu mir locken? Soll ich? Ich blicke durch das Schlüsselloch, zu spät, ich sehe wie er sich entfernt. Ein Paket unterm Arm, ein paar Blumen in der Hand.

An Tagen wie diesen, trüb, kalt, unentschlossen zwischen neu und alt, steigt schon mal Zorn in mir auf, mit zusammengeballten Fäusten rufe ich laut, ich bin dran! Aber nein. So ist das Leben, in Dreiteufelsnamen!

Werbeanzeigen

So ist das Leben

image

Es klopft an die Tür, nicht meine, nebenan. Komm´ heraus, unterschreib´, geliefert wird Unglück, Ungemach, Kummer ohne Trost. Kinder lauft! Höre ich. Schnell! Auch ich verkrieche mich unters Bett. Dein Herz gärt, vielleicht atmest du bald nicht mehr! Mach´auf, zur Herausgabe stehen Jammer und Not! Der Bote lacht widerwärtig vergnügt, verschluckt sich vor seinem abstoßenden Glück. Lautlos rutsche ich ans Schlüsselloch. Ein Mann steht da, ganz still. Habe ich mich verhört? Nein, es schüttelt ihn wieder, es zerreißt ihn vor Glück. Er geht, kommt wieder.

Sie kommen und sie gehen. Sie schenken und sie nehmen. Gehen wieder unverrichteter Dinge, reißen einen mitten aus dem Leben. Wenn man an einem grauen Regen- und Nebeltag am Kamin sitzt, von Wärme umgeben, ist man geneigt schulterzuckend zu sagen, so ist das Leben. Es soll sich nur fern halten von mir, mir nicht in der Sonne stehen, seiner eigenen Wege gehen.

Am Fluss

image.jpeg

Der hoch und weit geschossene Ball fiel in den Fluss, wodurch er sich dem Fußballspiel, das zwischen den Klassen 4a und 4b zu geschehen hatte, entzog. Du Idiot, selber Idiot, dem Ball hinterher! Jemand hatte einen guten Plan und rief, dass man sich vorne an der Flussbiegung aufstellen soll, er blieb ungehört. Wir alle rannten am steilen Ufer entlang, manche hangelten sich an den Sträuchern zum Flussbett hinunter, andere stocherten blind mit langen Stöcken ins Wasser hinein. Die meisten schrien nur laut oder stritten bereits, angesichts des drohenden Ballverlustes, um die Wertung des Spiels. Der Ball, der Ball. So spielten wir damals am Fluss.

Was wäre, wenn. Manchmal kehrte der Ball ins Spiel zurück, manchmal riss ihn der Fluss mit sich fort. Es geschah, was zu geschehen hatte oder es nahm stattdessen das Ungeschehene – was nun geschah – seinen Lauf. Was wäre, wenn? Ich halte mich damit nicht auf. Es ändert doch nichts.