Wünsche an den falschen Mann

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Schwere Schritte im Nebenraum, schlürfend, stockend, schnaufend, gurgelnd geht der Vorhang einen Spaltbreit auf. Sie wünschen? Licht, die Farbe Grün für den frischen Anstrich, Zuversicht, einen Vogel, der an die Hand angeflogen kommt, einen Rosengarten mit Duft, rote Tanzschuhe ohne Fluch, ein Meer gleich hinterm Wald, Hände, die Klavierspielen, Kaminfeuer, Stille, Sternenhimmel und fallende Sterne mit Schweif, Kekse, nicht zu süß (was soll’s), ein Band, das mich fest an das Leben bindet, freien Kopf, sorgenfrei, vieles soll bleiben wie es ist … Hier nicht! Na dann bleib‘ wo Du bist, Weihnachtsmann. Und schau‘ bei Gelegenheit in den Spiegel, alter Mann!

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Das Tagewerk

imageDu hast wieder unser Frühstück vergessen. Das habe ich noch nie, Du Lump. Ich stehe auf und strahle, wenn auch noch auf Sparflamme in mich hinein. Das Frühstück ist schnell gemacht. Wir müssen raus und Du auch, die Vögel füttern. Ich weiß, also Mütze auf und hinaus. Jetzt Kaffee, seid still. Jetzt Arbeit. Du musst nicht arbeiten. Muss ich doch, allein Du kostest einen halben Lohn. Ich bin mit mir zufrieden. In das ewige Buch, auf die Haben-Seite trage ich „selbstlos“ hinzu. Warum nicht, stehe ich mal vorm Jüngsten Gericht, wird die beschönigte Selbsteinschätzung nicht meine größte Sünde sein. Ich lache wieder, bin gut gelaunt. Ich lege eine Pause ein, wir drehen eine Runde. Und dann, Ruhe, Ihr zwei, Matlock läuft. Kennen wir schon auswendig. Ich auch, gebe ich ausgelassen zu. Wieder Arbeit, dann ist Schluß. Jetzt ein wenig aufräumen. Vier braune Augen, zwei Bernsteine, zwei Haselnüsse folgen dem Mopp. Habt alles gut im Blick, nicht wahr? Hab‘ ich so eingerichtet. Alles in die Küche, es wird gekocht. Du musst so kochen, dass viel herunterfällt. Glaubst Du, dass weiß ich nicht, Herrgott, was da schon alles herunterfiel. Draußen wird es dunkel, wir gehen raus, ich spiele mit dem Taschenlampenlicht, wir sind schließlich allein. Das Tagewerk ist fast vollbracht. Gute Nacht noch und in den Schlaf hinterm Ohr und am Bauch kratzen.

War es viel, war es wenig? Oder reicht es, am Ende des Tages einfach zufrieden zu sein? Im Advent verlange ich irgendwie nicht mehr.

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Die Weltpolitik im Gartenlicht

amsel

Der Bilderberg tagt wieder, sagte meine Freundin, nachdem wir das Thema Hunde – sie zwei, ich ebenfalls zwei – abgeschlossen hatten. Ahmmm, wie, schon wieder, war es mir als Antwort wert. Ist klar, was dabei herumkommt, legte meine Freundin wissend nach. Ja, ja, bestätigte ich unwissend. Ich dachte an Loriot. Und fragte mich, wer macht denn nun die Weltpolitik? Ich fürchte, u.a. meine Freundin und ich. Ich gehe lieber in den Garten, es gibt ein schönes Licht.

Eine Hafenkneipe oder …/2

baummitvogel

Diesmal ein Traum. Meine drei Komplizen und ich brachten zwei Menschen um. Der eine gehörte so – die Sachlage im Traum ließ keinen anderen Schluss zu. Der andere, nun ja der fiel irgendwie mit um. Skurril, aber als Nächstes verabredeten wir uns zum Wellnesstag. Balneotherapie. Wohl um die Schuld mit Wasser herunterzuspülen, die Deutung scheint mir auf der Hand zu liegen. Einer der Mittäter äußerte seine Bedenken, ob der Schädlichkeit des Wassers. Die anderen teilten die Sorge nicht. Der Badetag fiel dann doch aus. Gut so, meinte der eine, die anderen schauten sich verlegen um. Wir wollten Buße tun.

Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Sollte ich etwa?

Fremde

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Ich bin kein Flüchtling, bin ein Spätaussiedlerkind. Ich verstand das Wort nicht. Man war lange mit sich selbst beschäftigt. Wie man aus dem schlechten Viertel rauskommt, besser bezahlte Arbeit findet, die Sprache lernt, neue Freunde findet, alte nicht vergisst. Deutschland brauchte gar nicht einen nicht zu wollen, man wollte es selbst nicht. Irgendwie. Erst viel später merkte man, dass man dazugehört und selbst, noch zögerlich von einer Heimat spricht. Ich kann nichts Schlechtes sagen.

Nur dass jetzt ein anderer Wind weht. Gedankenlos und schlimmer, weil wohl überlegt spricht man vom Smartphone, das ins Auge sticht. Brandstifter zeichnen ein simples wie böses Bild, so dass man schlicht vergisst, dass es zuallererst Menschen in Not sind.

Image (Link zur #bloggerfuerfluechtlinge)

Völkerball

Der erste gefallene Soldat das war immer ich. Unsere mir wohlgesinnten Killerkönige räumten mich zeitig vom Feld, danach begann die Schlacht. Kopf, Bauch, Nieren alles Ehrentreffer. Ich, im Außen fühlte mich wie ein Gewinner.

Ich stehe auch heute noch gerne im Aus. Durch geschicktes Ausweichen habe ich mir Ruhe erkauft. Teuer, hat mich den Schneid gekostet, den ich mir habe abkaufen lassen. So sage ich’s wenigstens hier. Braunes Gedankengut bleibt braun, auch wenn es sich als Sorge um das Heil des Landes tarnt. Das Heil des Landes wird bedroht, wenn sein Volk den Anstand verliert und sein menschliches Gesicht durch die Sorgen seiner braven Bürger häßlich wird, so sehe ich das. Auch ich habe Sorge um dieses Land.