Fangenspielen

imageLass los! Lass los, pfeift mir der Wind zu, scharf, kalt, peitschend zischt er mir ins Ohr. Ich knöpfe die Jacke zu, verschränke die Arme, beuge mich vor, beschleunige, renne schon. Es ist wie damals auf dem Schulhof. Warum lässt du dich nicht fangen, krächzte dünn mein kleiner Freund, schwer nach Atem ringend. Bist nicht schnell genug, sagte ich. Gott, ist er dumm! Aber das Fangen gehört dazu, es ist das Beste am Spiel, sagte er und zog beleidigt davon. Ich rannte, so verstand ich das Spiel. Ich halte fest, lasse nicht los, wie könnte ich. Es wird leichter für dich, wirf hin, lockt der Wind, jetzt irgendwie freundlicher gestimmt. Aber ich verstehe auch dieses Spiel nicht.

Erklärungsbedürftig

Schlosspark in Pszczyna

Meine Haut ist nicht orange. Eher gelb, aber gelb habe ich für den Schnee genommen, weil es hier kein weiß gibt. Mein echter Schlitten sieht anders aus, aber ich kann nur so einen zeichnen. Ich weiß, dass der Weihnachtsbaum ins Haus gehört, aber drinnen hätte man ihn nicht sehen können.

Ich saß mit meiner Mama beim Einschulungsgespräch und hatte Angst, nicht aufgenommen zu werden. Mir wurde aufgetragen ein Bild zu malen, während das Gespräch mit meiner Mama lief. Zeig‘ uns, was dir Spaß macht. Ich fing an, der Welt eine Erklärung abzugeben. Ungefragt.

Eine Hafenkneipe oder …/2

baummitvogel

Diesmal ein Traum. Meine drei Komplizen und ich brachten zwei Menschen um. Der eine gehörte so – die Sachlage im Traum ließ keinen anderen Schluss zu. Der andere, nun ja der fiel irgendwie mit um. Skurril, aber als Nächstes verabredeten wir uns zum Wellnesstag. Balneotherapie. Wohl um die Schuld mit Wasser herunterzuspülen, die Deutung scheint mir auf der Hand zu liegen. Einer der Mittäter äußerte seine Bedenken, ob der Schädlichkeit des Wassers. Die anderen teilten die Sorge nicht. Der Badetag fiel dann doch aus. Gut so, meinte der eine, die anderen schauten sich verlegen um. Wir wollten Buße tun.

Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Sollte ich etwa?

Ein schlechter Menschenkenner

Ich bin eigentlich ein guter Menschenkenner, aber diesmal lag ich daneben. Wenn ich das höre, weiß ich, dass ich keinen guten Menschenkenner vor mir habe. Und dass es von hier nicht weit bis zum „Du kennst die Menschen nicht“ ist. Stimmt, tue ich nicht. Als ob es was Schlechtes wäre.

Ich sage meinem Hund immer wieder, dass er bestimmt nicht bei den Nachbarn wohnen will, und wenn sie noch so viele Eimer mit Trockenbrot in der Garage stehen haben. Ich habe ihm aufgezählt, was er drüben alles nicht hätte, habe ihn böse angeschaut, er glaubt mir doch nicht. Er ist ein Charlie Brown, leichtgläubig, einfach zu täuschen, von Menschen versteht er nichts. Und das ist bestimmt nichts Schlechtes.

Mein Hund, ein schlechter Menschenkenner
Mein Hund, ein schlechter Menschenkenner

Ich lasse mir nichts einreden

Von mir lässt sich niemand etwas einreden. Deshalb versuche ich es meist gar nicht. Im Gegenteil, mit übertrieben viel Ahas und Achjas gebe ich mich völlig meinungs- und bildungsfrei. Und wenn doch, dann sehe ich sogleich die ausgefahrene Innenhandfläche auf mich zusteuern: Halt! Ich lasse mir da nichts einreden! Also Rückzug, selten dass die Sache es wert wäre den Manipulationsverdacht (oder den der eigenen Einfältigkeit) eitern zu lassen.

So setze ich bei mir einen Erklärungsversuch an, zäume dazu das Pferd von hinten auf. Ich habe nicht den Eindruck, dass auf mich eingeredet wird, offensichtlich tut man es aber mit Erfolg, denn nun rede ich meinerseits auf die Leute ein. Wie geht das?

Mein alter Hund ist müde, an guten Tagen drehen wir ganze 10 Minuten unsere Runden, an schlechteren sind’s nur fünf. Der Hund soll selbst entscheiden, dachte ich mir und ließ mir eine kluge Strategie einfallen. Sobald wir an die Rückseite des Hauses angelangt sind, mache ich das Gartentörchen auf und der Hund kann, sofern er will direkt wieder heimgehen. Folgendes spielt sich seitdem ab: Der Hund setzt sich vorm geöffneten Tor hin, ich stehe auffällig uninteressiert seitlich zu ihm. Nach einem Weilchen mache ich einen Ausfallschritt in den Garten hinein, verweile kurz in der Stellung und schwinge mich dann wieder aus dem Garten hinaus. Erst dann setzt sich mein Hund in Bewegung, mal rein, mal weiter.

Offensichtlich habe ich ihm beigebracht, dass wir erst nach meiner sinnfreien Vorführung weitergehen können. Da ließ er sich was Tolles einreden und ich kann mir selbst gratulieren. Ja, ich kann es, wir können es alle. Wir müssen nur schön aneinander vorbei kommunizieren. Den Hund trifft hier natürlich keine Schuld.

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