Im Garten / 15. April ´16

„Was muss man lange zwitschern bis der Frühling endlich kommt, sagte der Spatz“ (Karel Čapek)

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Hund im Haus. Eine Kosten-Nutzen-Analyse

imageNüchtern betrachtet, ich kann nicht anders, was bleibt übrig, frage ich mich? Was bleibt übrig nach Abzug aller Kosten, Mühen und Zeit. Nicht viel. Hunde erzeugen Wärme, heißt es, eine komplizierte Umrechnung, doch am Ende reicht es für nichts. Hunde verteilen das Chi, die gute Energie, die sich sonst im Hausflur stauen würde. In der Tat verteilen wir sehr viel, allein wie sie mich zum Narren halten mit dem Ich-muss-raus-gar-nicht-wahr-ich-muss-nicht-Spiel. Es sieht nicht gut für euch aus! Ohgottohgottohgott, verzweifelt Hund2.
– Was sagst du dazu, Hund1?
– Nüchtern betrachtet, sagst du?
– Ja
– Schenk´ dir was ein und trink´!

Pelzige Gedanken

imageWoran denkt mein Hund, wenn er halb im Schlaf, halb wach vorm Kamin liegt? Siehst du den Gräsertango? Fragt er mich. Den Espenlaubwind? Den bunten Schatten, der ins Dunkle flieht? Ich stocke, bin ratlos, was sage ich ihm? Nein? Hakt er nach, gibt es das nicht? Doch, doch, das alles gibtˋs. Woran denken Hunde, Tiere? Ich weiß es nicht.

Schnee! / 2

21.01.16. Schnee, Frost, kalt, windig, trotzdem sehr schön.

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Im Wald
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Im Wald
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Waldweg
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Mitten im Weg liegt ein totes Huhn. Oder etwas anderes, es fehlt der Kopf. Mein Hund wollte der Sache auf den Grund gehen, durfte aber nicht.
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Dompfaffen, diesmal ein Damenüberschuss.
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Am Waldrand
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Am Waldrand

Die Hausordnung

imageWir dachten, dass ein Hund feste Regeln braucht. Den Empfehlungen gemäß, legten wir daher eine bindende Hausordnung fest. Der Hund darf nicht in die Küche, nicht ins Schlafzimmer, folglich auch nicht ins Bett. Darf nicht am Tisch betteln, nicht auf die Couch, nicht im Wege stehen, nicht über eigene Ressourcen verfügen und noch einiges mehr, was er nicht darf.

Und dann kam er, damals noch mehr ein Pfundwurst, als ein richtiger Hund. Dieser Pfundwurst sah sich verloren im Zimmer um, behackte mit spitzen Zähnchen das Bücherregal, hangelte an der Gardine bis ein Loch riss, setzte sich schließlich vor uns hin. Ooooh, er macht Sitz! Fiep, fieeeep, fieeeep, der Pfundwurst klagte uns an. Er gewann, wir bekamen lebenslänglich und sitzen bis heute ein. Die Bedingungen sind gut, wir dürfen in die Küche, auf die Couch und sogar mit ins Bett.

Der Hypnotiseur

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– Magneto sagt, auf drei wirst Du aufstehen.
– Ausgeschlossen, Magneto (Magneto?) Ich werde nichts dergleichen tun.
– Magneto sagt eins, …
– Ich bin mächtiger als Du, Magneto. Und Dein Assistent, ich bitte Dich, das arme Hasenherz.
– Auch Hasenherz hat Macht. Die Macht der Unschuld, die aus haselnussbraunen, runden Augen strömt.
– Hasenherz macht, was ich ihm sage. Gib auf.
– Hasenherzens Blick wird von Magnetos Feuer gespeist. Dort, wo sich unsere Blicke kreuzen, dort wo ich das Flammenmeer entfach‘, stehst Du, nimm Dich in Acht.
– phh, phh, phh …
– Magneto sagt zwei, …
– Gut, hast gewonnen. Und jetzt?
– Weiß nicht.
– Wollt ihr gucken wie ich Falafel mache?
– Ja, warum nicht, ja das machen wir.
– Wolltest Du wirklich, dass ich in Flammen aufgehe, Ma-gne-to?
– Neeein, nicht.
– Und Du, Hasenherz?
– Ohgottohgott, nein.

Das Tagewerk

imageDu hast wieder unser Frühstück vergessen. Das habe ich noch nie, Du Lump. Ich stehe auf und strahle, wenn auch noch auf Sparflamme in mich hinein. Das Frühstück ist schnell gemacht. Wir müssen raus und Du auch, die Vögel füttern. Ich weiß, also Mütze auf und hinaus. Jetzt Kaffee, seid still. Jetzt Arbeit. Du musst nicht arbeiten. Muss ich doch, allein Du kostest einen halben Lohn. Ich bin mit mir zufrieden. In das ewige Buch, auf die Haben-Seite trage ich „selbstlos“ hinzu. Warum nicht, stehe ich mal vorm Jüngsten Gericht, wird die beschönigte Selbsteinschätzung nicht meine größte Sünde sein. Ich lache wieder, bin gut gelaunt. Ich lege eine Pause ein, wir drehen eine Runde. Und dann, Ruhe, Ihr zwei, Matlock läuft. Kennen wir schon auswendig. Ich auch, gebe ich ausgelassen zu. Wieder Arbeit, dann ist Schluß. Jetzt ein wenig aufräumen. Vier braune Augen, zwei Bernsteine, zwei Haselnüsse folgen dem Mopp. Habt alles gut im Blick, nicht wahr? Hab‘ ich so eingerichtet. Alles in die Küche, es wird gekocht. Du musst so kochen, dass viel herunterfällt. Glaubst Du, dass weiß ich nicht, Herrgott, was da schon alles herunterfiel. Draußen wird es dunkel, wir gehen raus, ich spiele mit dem Taschenlampenlicht, wir sind schließlich allein. Das Tagewerk ist fast vollbracht. Gute Nacht noch und in den Schlaf hinterm Ohr und am Bauch kratzen.

War es viel, war es wenig? Oder reicht es, am Ende des Tages einfach zufrieden zu sein? Im Advent verlange ich irgendwie nicht mehr.

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Das Interview

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Ich: Stimmt es, dass Du die Menschen, die Du kennen solltest bereits allesamt kennst?
H: Ja. Und ich füge hinzu, dass ich die meisten davon hätte nicht kennenlernen müssen.
Ich: Was sollen die Menschen von Dir denken?
H: Das ist mir egal. Es kommt einzig darauf ein, wie man sich selbst fühlt, und ich fühle mich wichtig.
Ich: Jaaaa, das lässt Du einen auch deutlich spüren …
H: Und? Was willst Du jetzt machen?
Ich: Gibt es etwas in Deinem Leben, was Du bereust?
H: Machst Du Witze?
Ich: Wir kommen irgendwie nicht weiter. Danke für das Gespräch.
H: Ist mir recht. Hauptsache, Du gehst nicht fort.
Ich: Werd‘ ich nicht (du eingebildeter Hund).

Der große Lotse

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Der nächtliche Sturm riss Bäume um. Ein riesiger Baum, links die mächtig verzweigte Krone, rechts das meterhohe Wurzelwerk, lag quer über unseren ausgetretenen Pfad. Ihr wartet hier. Der müden Knochen meiner Hunde wegen, suchte ich drumherum nach einem neuen, sicheren Weg. Und fand einen. So, sagte ich, das Universalkommando, das diesmal folgt mir meinte und ich verschwand, halb kriechend im Gestrüpp. Meine Hunde sprangen, einer nach dem anderen über den dicken Stamm und sahen mir von der anderen Seite verständnislos zu. Ich, der große Lotse, der kluge Kapitän, wie ich mir eben vorkam, blieb dumm im Dickicht stehen.