Hallelujah

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R.I.P. Leonard Cohen. Ich will alt und faltig sein, möge nur endlich Gras über dieses verfluchte Jahr gewachsen sein. 2016 hatte nichts Gutes für mich parat.

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Werd´ Karten spielen

imageEiner von uns wird der Nächste sein. Ein böser Spruch machte die Runde als wir vor zwei Jahren am Grab eines Schulfreundes standen. Wir haben den Nächsten.

Im letzten Sommer beim Klassentreffen forderte er mich zum Tanzen auf. Himmel hilf, er konnte es nicht, ich auch nicht, was für ein lächerliches Paar, dachte ich. Am Tisch saß er mir schräg gegenüber, wir sprachen nur wenig miteinander. Schmächtig, große Augen, der Sarg wird nicht schwer gewesen sein. Ich hatte es versäumt etwas Bedeutungsvolles zu sagen. Angeregter unterhielt ich mich mit meinem Sitznachbar rechts, über Rosen. Komm‘ vorbei, der Rosengarten wird dir gefallen. Bin ich nicht, kann ich später machen, er ist ja nicht gestorben. Ein anderer rief, er kenne unser aller Geburtstage. Dann sag‘, sag‘ meinen, meinen und meinen auch! Er kannte sie alle, er wird sich auch die Todestage merken, denke ich. Ich kann ihn später fragen, er stirbt mir doch nicht. Aber einer, trivial, wird der Nächste sein. R.I.P.

* (vorher im Text: Die angetrunkene Seele schickt sich an, in den Himmel zu fahren)

Wankst in den Himmel, du Lump
Was wirst dort machen, was nun?

Werd´ wohl Kuku spielen dort
Mit den Engeln Biere brauen
Am Feuer abends
Pfeife rauchen
In der Hängematte schaukeln
Bis zum Mittag süß nur träumen
Über Berge, die ich liebe
Lass´ ich meine Blicke schweifen

* Auszug aus dem Lied „Kuku“ der polnischen Band Golec uOrkiestra. Der Originaltext ist in einem Dialekt der polnischen Karpaten verfasst. Der freien Übersetzung geht der rau-weinerliche Charme des Originals leider verloren. Kuku ist ein Kartenspiel.

Denis Denis …

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Es ist ein schöner Morgen heute, ich fühle mich inspiriert. Ich lasse ein Bild entstehen. Das Bild vom perfekten Augenblick. Wie soll er sein? Ich sitze am großen Fenster, draußen ist November mit Regen und Wind. Nein, das nicht, das macht meinem Hund nur Angst. Dichter Nebel ist besser, ich schaue dann eben blind hinaus. Der Sessel ist antik. Doch nicht, könnte unbequem sein. Auch kein moderner, obwohl auf Knopfdruck steuerbar, das hat was. Zum Sessel kehre ich später zurück. Ich trinke Tee, einen aus meinem Buch, wenn ich es finde. Eingehüllt in eine Decke, die warm hält, aber nicht kratzt. Das Kaminfeuer brennt, muss nur genügend Holz auf Vorrat holen. Jetzt die Musik. Oper wäre zu feierlich, die Stimmung soll friedlich versunken sein, ein Celloquartett passt. Oder Lennons Imagine oder Pink Floyds More, noch besser. Ich weiß nicht. Jetzt kreischt auch noch Blondie Denis Denis, oh with your eyes so blue in meine Vorstellung hinein. Vom kleinen Moment des Glücks – sodass man sich vor Freude ins Hemd weint (wie Janosch sagt) bin ich, wie es scheint, mehrere Lichtjahre entfernt.

Warum fügt sich das Bild nicht von allein? Am Ende wegen, aber nicht nur, meiner ermüdenden Kleinkrämerei.

Eine Hafenkneipe oder die Freudschen Bilder

groemitz1

Schau zur Aussichtsplattform hin, wenn du gleich im Flugzeug sitzt. Ich werde auf und ab marschieren, salutieren und Flieger, grüß‘ mir die Sonne singen, sagte ich als ich mich am Flughafen verabschiedete. Ich bin, versteht sich, nicht marschiert.

Ich habe auch nicht, mit einem Matrosenhemd angetan, im Fischkutter schaukelnd die Fische ins Meer zurückgeworfen und la, la, la Cooola … I asked her name … she said Looola, lalalala Lola tief, wie schräg ins Meer hinaus gebrummt. Ebensowenig habe ich mir in einer Hafenkneipe weinselig far away across the ocean … on the coast of Malabar aus dem Leib gesungen. Man hat mir auch nicht die Fidel gereicht, so dass wir dazu auch nicht tanzten und nicht, zu Tränen gerührt weinten.

Das mache ich nicht. Sollte ich etwa?