Unterm Birnbaum

imageAlles begann mit dem Birnenkompott, nein, natürlich mit der Birne, die mir fiel auf den Kopf. Ich lag unterm Birnbaum, blinzelte in die Sonne, betrachtete das Wolkenbild, das Leben halb gewonnen, die andere Hälfte werde ich mir auch noch holen, dachte ich. Wie ich da lag fiel eine reife Birne herunter, breiig lag sie am Boden neben meiner Schulter. Man kann daraus noch was machen, schoss mir durch den Kopf. Die zweite Hälfte inzwischen angetreten, ich habe nichts gewonnen, wenn auch nichts verloren. Das sage ich heute während ich mich ratlos am Kopfe kratze, ja, die angebrannte Kruste im Topf, das sollte eigentlich was Gutes werden, ein Birnenkompott.

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Geblendet

steine

Aber…, zweifelte die Braut. Nein, nein, heirate diesen Mann. Die Hochzeit fand statt. Ein Seemann, der er sein wollte, aber es nicht geworden war, ein Vater, der er sein wird, aber es zu sein nicht verstand, wurde ihr Ehemann. Die Ehe war grausam. Nein, nein, ein guter Mann. Lahm ihre Beine, die tanzen wollten, ihr Herz schlägt kaum, Augen sehen weg, der Kopf friert seine Gedanken ein. Leblos, grau, asch-, fahl-, staubgrau. Alles gefriert, hört auf zu fühlen, stirbt, zerfällt zu Staub.

Die Feier ist abgesagt. Die Goldene Hochzeit findet nicht statt, die Ehefrau verlässt das gemeinsame Haus. Mein Leben, sagt sie als Abschiedsgruß, mein Leben, das ich hinter mir lasse, ein Sack voller grauer Steine in des Monsters Bauch. Dumm. Vor 50 Jahren ließ ich mich vom Funkeln blenden.

So ist das Leben

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Es klopft an die Tür, nicht meine, nebenan. Komm´ heraus, unterschreib´, geliefert wird Unglück, Ungemach, Kummer ohne Trost. Kinder lauft! Höre ich. Schnell! Auch ich verkrieche mich unters Bett. Dein Herz gärt, vielleicht atmest du bald nicht mehr! Mach´auf, zur Herausgabe stehen Jammer und Not! Der Bote lacht widerwärtig vergnügt, verschluckt sich vor seinem abstoßenden Glück. Lautlos rutsche ich ans Schlüsselloch. Ein Mann steht da, ganz still. Habe ich mich verhört? Nein, es schüttelt ihn wieder, es zerreißt ihn vor Glück. Er geht, kommt wieder.

Sie kommen und sie gehen. Sie schenken und sie nehmen. Gehen wieder unverrichteter Dinge, reißen einen mitten aus dem Leben. Wenn man an einem grauen Regen- und Nebeltag am Kamin sitzt, von Wärme umgeben, ist man geneigt schulterzuckend zu sagen, so ist das Leben. Es soll sich nur fern halten von mir, mir nicht in der Sonne stehen, seiner eigenen Wege gehen.

Frühjahrsputz

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– Kann die Leber weg? Fragt der winzig kleine Mann in Weiß mit dem Kehrbesen in der Hand.
– Neeeein! Ich sagte Belastendes muss raus, will ein neuer Mensch werden, doch nicht gleich tot.
– Gut, und das? Es steht darauf „belastet mich, persönlich, soll weg“, aber ich frage lieber. Weg?
– Ja, ja, natürlich, das heißt nein, das bleibt.
– Aha. Der Verstand, der wiegt zwar nicht viel, aber …
– Untersteh´ dich!
– Dein gutes Aussehen vielleicht?
– Der war gut.
– Ich weiß.
– Aber nicht witzig! Pack dein Zeug ein!
– Ich denke, du willst ein neuer Mensch werden, wer hilft dir jetzt dabei?
– Das schaffe ich schon allein.
– Der war gut.
– Ich weiß.

Der Karpfen im Teich

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Heimlich bei Nacht verließ der Karpfen den heimischen Teich. Er blies die Kiemen auf, strich die goldenen Schuppen glatt und stürzte sich kopfüber ins Vergnügen am Land. Er wollte mehr vom Leben haben. Am Morgen darauf trieb sein zerfledderter Leib obenauf im Teich. Wie leichtsinnig, verblendet, das Mehr verdirbt uns alle, brodelte es am schlammigen Boden des Teichs. Der Fuchs, er war´s, gab später listig an, der Karpfen sah zwar ungewöhnlich lebendig, doch einem Impfköder nicht unähnlich aus. Armer Karpfen, er dachte, er könnte mehr vom Leben haben. Ich würde immer wieder den Teich verlassen wollen, ganz gleich, was ich draußen finde. Mehr oder weniger.

Bildquelle: https://pixabay.com/de/fuchs-tier-gucken-470247/

Am Fluss

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Der hoch und weit geschossene Ball fiel in den Fluss, wodurch er sich dem Fußballspiel, das zwischen den Klassen 4a und 4b zu geschehen hatte, entzog. Du Idiot, selber Idiot, dem Ball hinterher! Jemand hatte einen guten Plan und rief, dass man sich vorne an der Flussbiegung aufstellen soll, er blieb ungehört. Wir alle rannten am steilen Ufer entlang, manche hangelten sich an den Sträuchern zum Flussbett hinunter, andere stocherten blind mit langen Stöcken ins Wasser hinein. Die meisten schrien nur laut oder stritten bereits, angesichts des drohenden Ballverlustes, um die Wertung des Spiels. Der Ball, der Ball. So spielten wir damals am Fluss.

Was wäre, wenn. Manchmal kehrte der Ball ins Spiel zurück, manchmal riss ihn der Fluss mit sich fort. Es geschah, was zu geschehen hatte oder es nahm stattdessen das Ungeschehene – was nun geschah – seinen Lauf. Was wäre, wenn? Ich halte mich damit nicht auf. Es ändert doch nichts.