Der Antrag

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– Ihr Antrag enthält zu viele Fehler. Abgelehnt!
– Kontra!
– Re!
– Bock!
– HIRSCH!
Das Spiel gewinne ich nicht. Ich schleiche mich vom Platze, stecke den Antrag auf Glück in die Tasche. Also Fehlersuche! Ich begebe mich in den Urwald der ungeputzt verhangenen Lebensjahre und fange an, das Gestern auszugraben. Ich werde die Fehler finden. Mich rückwärtsgehend vorwärts schlagen, denn irgendwo unter den geschichteten Tagen liegt das Glück begraben.

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Humorlos

baner-kuh

Du bist dumm wie ein Ochse, stand in dem Brief, den mir ein Mitschüler schrieb. Es kostete mich Mühe aus dem krummen Buchstabensalat den Inhalt zu erraten, auch die Zeichnung half nicht. Aber dann, Ochse, ich. War nicht beleidigend, im Gegenteil, Botschaften wie diese galten viel, waren beliebt. Ich antwortete, humorlos wie ich heute weiß, wenig galant und nicht so sicher im Stil. Ein Ochse ist ein Mann, ich nicht. Ob ein Ochse dumm ist, weiß ich nicht, er wird nicht dümmer sein als du! Es flogen noch viele Briefe über meinen Kopf hinweg, nur ich bekam keinen mehr.

 Ich war ein sehr ernstes Kind. Aber es gibt sich, es verliert sich. Es hat sich gegeben, ich lache heute auch über einen schlechten Scherz.

Ich lasse mir nichts einreden

Von mir lässt sich niemand etwas einreden. Deshalb versuche ich es meist gar nicht. Im Gegenteil, mit übertrieben viel Ahas und Achjas gebe ich mich völlig meinungs- und bildungsfrei. Und wenn doch, dann sehe ich sogleich die ausgefahrene Innenhandfläche auf mich zusteuern: Halt! Ich lasse mir da nichts einreden! Also Rückzug, selten dass die Sache es wert wäre den Manipulationsverdacht (oder den der eigenen Einfältigkeit) eitern zu lassen.

So setze ich bei mir einen Erklärungsversuch an, zäume dazu das Pferd von hinten auf. Ich habe nicht den Eindruck, dass auf mich eingeredet wird, offensichtlich tut man es aber mit Erfolg, denn nun rede ich meinerseits auf die Leute ein. Wie geht das?

Mein alter Hund ist müde, an guten Tagen drehen wir ganze 10 Minuten unsere Runden, an schlechteren sind’s nur fünf. Der Hund soll selbst entscheiden, dachte ich mir und ließ mir eine kluge Strategie einfallen. Sobald wir an die Rückseite des Hauses angelangt sind, mache ich das Gartentörchen auf und der Hund kann, sofern er will direkt wieder heimgehen. Folgendes spielt sich seitdem ab: Der Hund setzt sich vorm geöffneten Tor hin, ich stehe auffällig uninteressiert seitlich zu ihm. Nach einem Weilchen mache ich einen Ausfallschritt in den Garten hinein, verweile kurz in der Stellung und schwinge mich dann wieder aus dem Garten hinaus. Erst dann setzt sich mein Hund in Bewegung, mal rein, mal weiter.

Offensichtlich habe ich ihm beigebracht, dass wir erst nach meiner sinnfreien Vorführung weitergehen können. Da ließ er sich was Tolles einreden und ich kann mir selbst gratulieren. Ja, ich kann es, wir können es alle. Wir müssen nur schön aneinander vorbei kommunizieren. Den Hund trifft hier natürlich keine Schuld.

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