Zerbrechlich

elfenblume

Du weißt nicht wie es ist, sagte sie, rührend verliebt in bald sechzehntem Jahr, hoffnungslos und unerwidert. Ich soll nicht wissen wie es ist? Pfeilartig schoss Unmut in mir hoch, ließ mich schnell sprechen, holperig und zu schroff. Aber ja doch, Liebe, Schmerz, unerfüllt, trotzdem lebe dein Leben … Das ist mein Leben, schnitt sie mir das Wort ab. Sanft, mit einem leichten Windhauch nur, ließ sie die Tür ins Schloß fallen, mir wird sie ihr Seelenleben nicht anvertrauen. Ein paar Worte, hastig, aufgebläht, sich selbst wichtig nehmend, ich wünschte, wie so oft, ich könnte sie zurücknehmen.

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Mopsfidel

herbst15-13

Ich: Wisst Ihr, es ist nämlich so, ich bin nicht sehr groß.
Hund1 und Hund2: ?
Ich: Ihr kennt Lolo, den Mops, er ist auch nicht groß …
Hund1 und Hund2: Lolo ist hier? Wo?
Ich: Halt! Nein! Also, ich bin nicht groß, also klein. Wollt Ihr mir zuhören oder nicht?
Hund1: Ich wünschte Lolo wäre hier. Ja, mach‘ schon, erzähl‘
Ich: Es war am ersten Schultag. Wir, die Erstklässler, von der Elternhand losgelassen standen in einer losen Traube vor dem Klassenraum. Die Lehrerin reihte uns, damit Ordnung herrscht, vom Kleinsten bis zum Größten auf. Mein Platz war nun in der ersten Reihe, rechts. Man sortierte uns gerne der Größe nach. Ich war der Eckpunkt, links oder rechts. Bei Schulaufführungen war ich der erste Engel und trug das Licht, der erste Hirte und trug den Hirtenstab, das Weizenkorn, aus dem ein Weizenfeld wird. Ich überreichte die Geschenkkörbe, schwenkte die Fahne, war das erste Tanzpaar bei der Polonaise, das heißt, die Hälfte davon. Mein Tanzpartner war auch nicht groß und außerdem merkte er sich die Schrittfolge nicht. Gingen wir paarweise und waren eine ungerade Zahl, so ging ich an der Lehrers Hand. Bis heute werde ich zornig, wenn man mich fragt, ob man mir helfen kann.
Hund1: Ja, und?
Ich: Es geht darum, dass ich das nicht wollte. Der Mittelpunkt, im Rampenlicht, auf dem Präsentierteller. Es überforderte mich, das bin nicht ich.
Hund2: Ich verstehe Dich. Du wolltest in der Menge untertauchen, manchmal unsichtbar sein, nicht anwesend, nicht da. So fühle ich mich gelegentlich auch. Bin ich groß, bin ich klein?
Ich: Schau‘ Dir Hund1 an. Großer Hund, noch größeres Ego, da passt alles haargenau. Du bist auch groß. Äußerlich. Innerlich eher ein Bichon Frisé.
Hund2: Oh, ein schneeweißer, zarter Wattebausch, ja das bin ich. Und Du?
Ich: Ich sehe mich ….
Hund1: Schluss jetzt! Ich wünschte Lolo wäre hier, ein kerniger Mops mit gesundem Selbstwertgefühl!

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Das Interview

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Ich: Stimmt es, dass Du die Menschen, die Du kennen solltest bereits allesamt kennst?
H: Ja. Und ich füge hinzu, dass ich die meisten davon hätte nicht kennenlernen müssen.
Ich: Was sollen die Menschen von Dir denken?
H: Das ist mir egal. Es kommt einzig darauf ein, wie man sich selbst fühlt, und ich fühle mich wichtig.
Ich: Jaaaa, das lässt Du einen auch deutlich spüren …
H: Und? Was willst Du jetzt machen?
Ich: Gibt es etwas in Deinem Leben, was Du bereust?
H: Machst Du Witze?
Ich: Wir kommen irgendwie nicht weiter. Danke für das Gespräch.
H: Ist mir recht. Hauptsache, Du gehst nicht fort.
Ich: Werd‘ ich nicht (du eingebildeter Hund).