Der Antrag

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– Ihr Antrag enthält zu viele Fehler. Abgelehnt!
– Kontra!
– Re!
– Bock!
– HIRSCH!
Das Spiel gewinne ich nicht. Ich schleiche mich vom Platze, stecke den Antrag auf Glück in die Tasche. Also Fehlersuche! Ich begebe mich in den Urwald der ungeputzt verhangenen Lebensjahre und fange an, das Gestern auszugraben. Ich werde die Fehler finden. Mich rückwärtsgehend vorwärts schlagen, denn irgendwo unter den geschichteten Tagen liegt das Glück begraben.

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Die Taube auf dem Dach

 

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Die Taube auf dem Dach spaziert auf und ab. Gelangweilt gurrr, gurrr, gurrt sie mich an, blinzelt links, wendet behäbig, blinzelt rechts mich an. Ich trachte danach, sie am Gefieder zu fassen, die Gelegenheit das Glück zu erhaschen will ich nicht ungenutzt verstreichen lassen. Ich muss nur die Mauer erklimmen, Köder auslegen, flötend lockt mich die Taube vom Dach. Ich träume von Träumen in Taubenhimmelblau. Es klettert sich mühsam rauf, leichter fällt es sich herunter. Blaue Flecken nur, ich bin fast unversehrt, die geraubte Taubenfeder hat keinen Wert.

 

Wovon Hasen träumen

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Es traf der junge Hase einen wilden Mann. Ein Rauschebart! So einer würde mir gut stehen, geriet das kleine Häschen ins Schwärmen. Ein Bart wie dieser braucht Jahre, so lange wirst du nicht leben. Nein? Nein! Von der Maus die runden Ohren? Und weg war die Maus, kein Geplauder über Ohren! Keine Kiemen vom Fisch, kein Gefieder vom Vogel, keine Stacheln vom Igel. Tief enttäuscht ging der Hase nach Haus´, rupfte unterwegs noch ein paar Möhren raus. Er blieb – flauschig-weich, runder Kopf, Augen groß wie Murmeln – unglücklich mit seinem Aussehen.

Hund, Glück, Morgenlicht

 

morgenlicht3
2. März, kurz nach 7:00

Ich: Heute reden wir über das Glück
Hund1: Ich will nicht reden
Ich: Was bedeutet für dich Glück, Hund1?
Hund1: Ich höre dich nicht
Ich: Hund2?
Hund2: Ich passe in ein Glück viermal hinein!
Ich: Du weißt nicht, wovon du sprichst, oder?
Hund2: Nein
Ich: Trotzdem lieb. Hund1?
Hund1: Was weiß ich, ein Stück Wurst im Morgenlicht

Mit Hunden kann man über so etwas nicht reden. Wieviel klüger wir Menschen doch sind. Glück ist … ist … ich gehe mir das Morgenlicht genauer anschauen.

So ist das Leben / 2

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Rhythmisches Klopfen und ein gepfiffenes Lied, ich renne zur Tür. Es klopft bei den Nachbarn, nicht bei mir. Komm´ heraus! Eine Lieferung, ein Leben, dein eigenes, blank geputzt wie neu, unterschreib´. Ein dumpfes Flehen dringt von nebenan. Mach´ bitte auf! Du hast es gehört, es ist deins! Die Tür geht nicht auf. Soll ich den Glücksboten zu mir locken? Soll ich? Ich blicke durch das Schlüsselloch, zu spät, ich sehe wie er sich entfernt. Ein Paket unterm Arm, ein paar Blumen in der Hand.

An Tagen wie diesen, trüb, kalt, unentschlossen zwischen neu und alt, steigt schon mal Zorn in mir auf, mit zusammengeballten Fäusten rufe ich laut, ich bin dran! Aber nein. So ist das Leben, in Dreiteufelsnamen!

So ist das Leben

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Es klopft an die Tür, nicht meine, nebenan. Komm´ heraus, unterschreib´, geliefert wird Unglück, Ungemach, Kummer ohne Trost. Kinder lauft! Höre ich. Schnell! Auch ich verkrieche mich unters Bett. Dein Herz gärt, vielleicht atmest du bald nicht mehr! Mach´auf, zur Herausgabe stehen Jammer und Not! Der Bote lacht widerwärtig vergnügt, verschluckt sich vor seinem abstoßenden Glück. Lautlos rutsche ich ans Schlüsselloch. Ein Mann steht da, ganz still. Habe ich mich verhört? Nein, es schüttelt ihn wieder, es zerreißt ihn vor Glück. Er geht, kommt wieder.

Sie kommen und sie gehen. Sie schenken und sie nehmen. Gehen wieder unverrichteter Dinge, reißen einen mitten aus dem Leben. Wenn man an einem grauen Regen- und Nebeltag am Kamin sitzt, von Wärme umgeben, ist man geneigt schulterzuckend zu sagen, so ist das Leben. Es soll sich nur fern halten von mir, mir nicht in der Sonne stehen, seiner eigenen Wege gehen.