Die Maus spricht

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Ohne Worte.

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Versumpft

imageLange, lange hatte ich auf meine ersten Gummistiefel gewartet. Bis dahin machte ich brav und stiefellos um alle Tümpel einen großen Bogen. Und dann hatte ich sie, sie standen auf dem Tisch, meine Größe, für mich. Ich zog sie an und lief zu den Pfützen hinaus. Endlich Matsch, Sumpf, Morast. Ich bekam Flügel, sprang mit Wucht in den Matsch hinein. Ich kann über den Sumpf fliegen, dachte ich, bis ich samt den neuen Stiefeln im breiigen Boden versank. Kein vor, kein zurück. Ich bin keiner, der gleich Panik schiebt, aber wenn mich nicht bald einer hier stehen sieht, dann weiß ich nicht. Man zog mich raus. Meine Stiefel! Rettet auch sie!

Übermut, Höhenflug, tiefer Fall. Ich dachte … aber nein, selbst wenn man Zauberstiefel trägt ist man davor nicht gefeit.

Wünsche an den falschen Mann

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Schwere Schritte im Nebenraum, schlürfend, stockend, schnaufend, gurgelnd geht der Vorhang einen Spaltbreit auf. Sie wünschen? Licht, die Farbe Grün für den frischen Anstrich, Zuversicht, einen Vogel, der an die Hand angeflogen kommt, einen Rosengarten mit Duft, rote Tanzschuhe ohne Fluch, ein Meer gleich hinterm Wald, Hände, die Klavierspielen, Kaminfeuer, Stille, Sternenhimmel und fallende Sterne mit Schweif, Kekse, nicht zu süß (was soll’s), ein Band, das mich fest an das Leben bindet, freien Kopf, sorgenfrei, vieles soll bleiben wie es ist … Hier nicht! Na dann bleib‘ wo Du bist, Weihnachtsmann. Und schau‘ bei Gelegenheit in den Spiegel, alter Mann!

Fürchtet Euch (nicht)!

melliterrasse

Schuhe an, Jacke an. Bewacht das Haus! Die Hunde haben es geahnt, ein Unheil naht. Die Ohren werden länger, die Augen runder, selbst das Fell glänzt stärker. Nichts auf der Welt wollen sie weniger tun als das. Kein Hund hat es je gewollt. Meine zwei – der liebe Alte und das arme Hasenherz sind nunmal keine Wachhunde. Einmal riss uns ein Fehlalarm aus dem Schlaf. Der eine Hund machte ein Auge auf. Mach‘ das weg, ich brauche meinen Schlaf. Der andere verkroch sich im Bett, nur das Augenweiß blitzte entsetzt auf.
– Wir sind nicht für die Sicherheit des Hauses und überhaupt niemandes Sicherheit zuständig, Du strullerst den falschen Baum an!
– Schon gut, es reicht, wenn ihr euch nicht fürchtet aber seht selbst dabei furchterregend aus. Wir Menschen sprechen gut auf Drohgebärden an. Bin gleich wieder da.
– Wehe, wenn nicht. Ohgottohgottohgottt, schnell.

Es gibt doch Schlimmeres, auch wenn’s hier dasselbe meint – allein zu sein. Allein, ein wunder Punkt insgesamt.

Zwei Hunde, zwei Ansichten

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Ich: Wenn Du mit jemandem tauschen könntest, wer wäre das?
H1: Wenn ich tauschen könnte, was völliger Blödsinn ist, würde ich gerne mit mir selbst tauschen.
Ich: (Was kein Blödsinn ist) Ich dachte an einen Menschen …
H1: Ich mag Menschen nicht.
Ich: Du magst doch mich und ich bin ein Mensch.
H1: Bist Du nicht!
Ich: ?

Ich: Der andere Hund scheint nicht davon überzeugt zu sein, dass ich ein Mensch bin. Du zweifelst nicht daran, oder?
H2: Nein. Ich mag alle Menschen.
Ich: Das weiß ich, aber siehst Du auch die Schattenseiten?
H2: Nein.
Ich: Das nennt man blauäugig.
H2: Kein Mensch hat mir je Böses getan.
Ich: Vielleicht weil ich da bin?
H2: Bist doch ein Mensch.
Ich: (Ob das die Schattenseiten erklärt?) Soll ich uns Kürbisecken backen?
H2: Kürbisecken esse ich am allerliebsten.
H1: Ich auch.

Halloween

Mein Platz ist in der Küche, finden meine Hunde. Sag‘ Gender, stachelt der größere den kleineren an, doch der traut sich nicht. Ich gebe beiden einen Hundekeks, denn sie wissen nicht was sie tun.

Halloween, der Geisterzug geht herum. Es ist nicht witzig, ich kriege wohl Saures.

blog9

Neblig, verhangen, wenig Licht.

Völkerball

Der erste gefallene Soldat das war immer ich. Unsere mir wohlgesinnten Killerkönige räumten mich zeitig vom Feld, danach begann die Schlacht. Kopf, Bauch, Nieren alles Ehrentreffer. Ich, im Außen fühlte mich wie ein Gewinner.

Ich stehe auch heute noch gerne im Aus. Durch geschicktes Ausweichen habe ich mir Ruhe erkauft. Teuer, hat mich den Schneid gekostet, den ich mir habe abkaufen lassen. So sage ich’s wenigstens hier. Braunes Gedankengut bleibt braun, auch wenn es sich als Sorge um das Heil des Landes tarnt. Das Heil des Landes wird bedroht, wenn sein Volk den Anstand verliert und sein menschliches Gesicht durch die Sorgen seiner braven Bürger häßlich wird, so sehe ich das. Auch ich habe Sorge um dieses Land.