Halloween

Mein Platz ist in der Küche, finden meine Hunde. Sag‘ Gender, stachelt der größere den kleineren an, doch der traut sich nicht. Ich gebe beiden einen Hundekeks, denn sie wissen nicht was sie tun.

Halloween, der Geisterzug geht herum. Es ist nicht witzig, ich kriege wohl Saures.

blog9

Neblig, verhangen, wenig Licht.

Werbeanzeigen

Meine Hunde/1

Wir haben viel zusammen erlebt. Ein Rückblick.

blog7

Pilze gesammelt und für langweilig befunden.

blog1

Am gefrorenen Salzschaum geschleckt. blog8

Uns darin gewälzt.

blog5

Um Stöcke gerungen.

blog2

Wie blöd ins Meer gerannt.

blog6

Uns selbst zu Königen gekrönt.

Ein schlechter Menschenkenner

Ich bin eigentlich ein guter Menschenkenner, aber diesmal lag ich daneben. Wenn ich das höre, weiß ich, dass ich keinen guten Menschenkenner vor mir habe. Und dass es von hier nicht weit bis zum „Du kennst die Menschen nicht“ ist. Stimmt, tue ich nicht. Als ob es was Schlechtes wäre.

Ich sage meinem Hund immer wieder, dass er bestimmt nicht bei den Nachbarn wohnen will, und wenn sie noch so viele Eimer mit Trockenbrot in der Garage stehen haben. Ich habe ihm aufgezählt, was er drüben alles nicht hätte, habe ihn böse angeschaut, er glaubt mir doch nicht. Er ist ein Charlie Brown, leichtgläubig, einfach zu täuschen, von Menschen versteht er nichts. Und das ist bestimmt nichts Schlechtes.

Mein Hund, ein schlechter Menschenkenner
Mein Hund, ein schlechter Menschenkenner

Völkerball

Der erste gefallene Soldat das war immer ich. Unsere mir wohlgesinnten Killerkönige räumten mich zeitig vom Feld, danach begann die Schlacht. Kopf, Bauch, Nieren alles Ehrentreffer. Ich, im Außen fühlte mich wie ein Gewinner.

Ich stehe auch heute noch gerne im Aus. Durch geschicktes Ausweichen habe ich mir Ruhe erkauft. Teuer, hat mich den Schneid gekostet, den ich mir habe abkaufen lassen. So sage ich’s wenigstens hier. Braunes Gedankengut bleibt braun, auch wenn es sich als Sorge um das Heil des Landes tarnt. Das Heil des Landes wird bedroht, wenn sein Volk den Anstand verliert und sein menschliches Gesicht durch die Sorgen seiner braven Bürger häßlich wird, so sehe ich das. Auch ich habe Sorge um dieses Land.

Ich spreche, also geht es mir schlecht/2

Es ist nicht mein Schmerz, dieses Mal will ich jemanden, dessen Plan vom perfekten Leben nicht aufgegangen ist aufmuntern. Ich will sagen, dass Perfektion nur ein starres Konstrukt ist, das fürs ganze Leben viel zu klein und sowieso ungeeignet ist. Kopf hoch, vielleicht noch. Aber was weiß ich schon und wer will das hören.

Wenn ich meinem Hund den Verband am verletzten, schmerzenden Pfötchen wechsle, sage ich ihm, dass alles wieder gut sein wird. Und ich weiß, dass er weiß, dass es so kommen wird, sonst würde ich es nicht sagen. Und wir beide wissen, dass ich nichts hätte sagen müssen. Ein perfekter Trost, der selbst unausgesprochen zielsicher ankommt.

Aber ich muss reden, mit Worten mir Gehör verschaffen, überzeugen, beschwören, Vertrauen aufbauen, Misstrauen ausräumen, versprechen, schreien wenn nichts hilft. Für gewöhnlich treffe ich daneben.

image

Ich spreche, also geht es mir schlecht/1

Andersherum, mir geht es schlecht, weil ich mein Wohlbefinden in finstere Worte fasse. Gut möglich. Das Sprechen, ein mächtiges Werkzeug ist uns gegeben. Ein Spielzeug eher, das wir werfen, anderen auf den Kopf hauen, kaputtmachen, mit dem wir Türme und Schlösser bauen, Verstecken spielen, jeder wie er kann. So richtig damit umgehen können wir nicht. Da ist gewiss mehr drin. Ich nehme das „mir geht es schlecht“ und gehe wie ein Chirurg vor. Ich schneide das „schlecht“ raus, entnehme irgendwo ein überschüssiges „gut“ und setze es ein. Es geht mir gut. Wäre das möglich? Und andersherum, wieviel seelisches Befinden kann man ohne Worte zum Ausdruck bringen?

Am Grabstein meiner Mutter wächst eine Wildrose, noch sehr jung und zart. Ich habe sie erst heute entdeckt, ich kann gar nicht beschreiben, wie schön der Moment war. Mehr wert, als die vielen Worte der Aufarbeitung.

Die Rose wird man bestimmt schon bald entfernen. Ordnung muss sein, Worte auch.

image

Sein und Nichtsein

Wo der Mensch an seine Grenzen stößt, kommt er daher, mein Hund. Nicht mehr blitzschnell, nicht leichtfüßig wie früher, aber noch liebenswerter im Alter schwankt er an mir vorbei, bescheiden wie immer und hat doch das Menschenunmögliche vollbracht, den Satz vom Widerspruch aufgehoben. Dass er gleichzeitig sein und nicht sein kann ist geschenkt, das kann man fast selber. Mein Hund will gestreichelt und nicht gestreichelt werden, drinnen und draußen sein, beides zugleich am selben Ort und zur selben Zeit. Und alles, alles aus und an ihm fragt mich und staunt groß – wo ist das Problem? Wo ich am Ende mit meinem Latein bin, beginnt seine große Freiheit, so stelle ich es mir vor. Ein Trost, wenn ich an die Tiere denke, die es nicht so gut wie mein weiser Hund getroffen haben.

image