Pelzige Gedanken

imageWoran denkt mein Hund, wenn er halb im Schlaf, halb wach vorm Kamin liegt? Siehst du den Gräsertango? Fragt er mich. Den Espenlaubwind? Den bunten Schatten, der ins Dunkle flieht? Ich stocke, bin ratlos, was sage ich ihm? Nein? Hakt er nach, gibt es das nicht? Doch, doch, das alles gibtˋs. Woran denken Hunde, Tiere? Ich weiß es nicht.

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Schnee!

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Der Morgenspaziergang / 16 Januar 2016
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Im verschneiten Wald
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Der Eichelhäher friert
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Wieder da!
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Die schon wieder
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Rehe
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Merci beaucoup!

Die Hausordnung

imageWir dachten, dass ein Hund feste Regeln braucht. Den Empfehlungen gemäß, legten wir daher eine bindende Hausordnung fest. Der Hund darf nicht in die Küche, nicht ins Schlafzimmer, folglich auch nicht ins Bett. Darf nicht am Tisch betteln, nicht auf die Couch, nicht im Wege stehen, nicht über eigene Ressourcen verfügen und noch einiges mehr, was er nicht darf.

Und dann kam er, damals noch mehr ein Pfundwurst, als ein richtiger Hund. Dieser Pfundwurst sah sich verloren im Zimmer um, behackte mit spitzen Zähnchen das Bücherregal, hangelte an der Gardine bis ein Loch riss, setzte sich schließlich vor uns hin. Ooooh, er macht Sitz! Fiep, fieeeep, fieeeep, der Pfundwurst klagte uns an. Er gewann, wir bekamen lebenslänglich und sitzen bis heute ein. Die Bedingungen sind gut, wir dürfen in die Küche, auf die Couch und sogar mit ins Bett.

Der Guthund und der Wuthund

Der Guthund strahlt. Schaut man in die haselnussbraunen Augen, spiegelt sich darin die Gutwelt wider. Ich freue mich mit meinem ganzen Selbst, bringe dir einen guten Schuh. Ohne Argwohn, freundlich, lieb. Mein Guthund mag uns alle, so wie wir sind.

Ich habe auch einen Wuthund, der poltert und grantelt, auf seiner Stirn steht „wichtig bin ich, nur ich“. Ich habe ihn natürlich trotzdem furchtbar lieb.

Das Tagewerk

imageDu hast wieder unser Frühstück vergessen. Das habe ich noch nie, Du Lump. Ich stehe auf und strahle, wenn auch noch auf Sparflamme in mich hinein. Das Frühstück ist schnell gemacht. Wir müssen raus und Du auch, die Vögel füttern. Ich weiß, also Mütze auf und hinaus. Jetzt Kaffee, seid still. Jetzt Arbeit. Du musst nicht arbeiten. Muss ich doch, allein Du kostest einen halben Lohn. Ich bin mit mir zufrieden. In das ewige Buch, auf die Haben-Seite trage ich „selbstlos“ hinzu. Warum nicht, stehe ich mal vorm Jüngsten Gericht, wird die beschönigte Selbsteinschätzung nicht meine größte Sünde sein. Ich lache wieder, bin gut gelaunt. Ich lege eine Pause ein, wir drehen eine Runde. Und dann, Ruhe, Ihr zwei, Matlock läuft. Kennen wir schon auswendig. Ich auch, gebe ich ausgelassen zu. Wieder Arbeit, dann ist Schluß. Jetzt ein wenig aufräumen. Vier braune Augen, zwei Bernsteine, zwei Haselnüsse folgen dem Mopp. Habt alles gut im Blick, nicht wahr? Hab‘ ich so eingerichtet. Alles in die Küche, es wird gekocht. Du musst so kochen, dass viel herunterfällt. Glaubst Du, dass weiß ich nicht, Herrgott, was da schon alles herunterfiel. Draußen wird es dunkel, wir gehen raus, ich spiele mit dem Taschenlampenlicht, wir sind schließlich allein. Das Tagewerk ist fast vollbracht. Gute Nacht noch und in den Schlaf hinterm Ohr und am Bauch kratzen.

War es viel, war es wenig? Oder reicht es, am Ende des Tages einfach zufrieden zu sein? Im Advent verlange ich irgendwie nicht mehr.

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Zwei Hunde, zwei Ansichten

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Ich: Wenn Du mit jemandem tauschen könntest, wer wäre das?
H1: Wenn ich tauschen könnte, was völliger Blödsinn ist, würde ich gerne mit mir selbst tauschen.
Ich: (Was kein Blödsinn ist) Ich dachte an einen Menschen …
H1: Ich mag Menschen nicht.
Ich: Du magst doch mich und ich bin ein Mensch.
H1: Bist Du nicht!
Ich: ?

Ich: Der andere Hund scheint nicht davon überzeugt zu sein, dass ich ein Mensch bin. Du zweifelst nicht daran, oder?
H2: Nein. Ich mag alle Menschen.
Ich: Das weiß ich, aber siehst Du auch die Schattenseiten?
H2: Nein.
Ich: Das nennt man blauäugig.
H2: Kein Mensch hat mir je Böses getan.
Ich: Vielleicht weil ich da bin?
H2: Bist doch ein Mensch.
Ich: (Ob das die Schattenseiten erklärt?) Soll ich uns Kürbisecken backen?
H2: Kürbisecken esse ich am allerliebsten.
H1: Ich auch.

Wir alle spielen Theater

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Hinaus, sage ich, stehe da mit ausgestrecktem Arm und angehobenem Kinn. Meine Hunde, denen die theatralische Geste gilt, lenken ein, sie haben verstanden. Hinausgehen werden sie freilich nicht, aber nun ärgern sie mich nicht. Wir sind ein eingespieltes Team, verstehen einander gut. Der dramatischen Pose bedürfte es eigentlich nicht. Ach was, schadet nix, spricht unbekümmert der Mensch aus mir. Ich habe eine Rolle zu spielen.

Das Interview

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Ich: Stimmt es, dass Du die Menschen, die Du kennen solltest bereits allesamt kennst?
H: Ja. Und ich füge hinzu, dass ich die meisten davon hätte nicht kennenlernen müssen.
Ich: Was sollen die Menschen von Dir denken?
H: Das ist mir egal. Es kommt einzig darauf ein, wie man sich selbst fühlt, und ich fühle mich wichtig.
Ich: Jaaaa, das lässt Du einen auch deutlich spüren …
H: Und? Was willst Du jetzt machen?
Ich: Gibt es etwas in Deinem Leben, was Du bereust?
H: Machst Du Witze?
Ich: Wir kommen irgendwie nicht weiter. Danke für das Gespräch.
H: Ist mir recht. Hauptsache, Du gehst nicht fort.
Ich: Werd‘ ich nicht (du eingebildeter Hund).

Ich lasse mir nichts einreden

Von mir lässt sich niemand etwas einreden. Deshalb versuche ich es meist gar nicht. Im Gegenteil, mit übertrieben viel Ahas und Achjas gebe ich mich völlig meinungs- und bildungsfrei. Und wenn doch, dann sehe ich sogleich die ausgefahrene Innenhandfläche auf mich zusteuern: Halt! Ich lasse mir da nichts einreden! Also Rückzug, selten dass die Sache es wert wäre den Manipulationsverdacht (oder den der eigenen Einfältigkeit) eitern zu lassen.

So setze ich bei mir einen Erklärungsversuch an, zäume dazu das Pferd von hinten auf. Ich habe nicht den Eindruck, dass auf mich eingeredet wird, offensichtlich tut man es aber mit Erfolg, denn nun rede ich meinerseits auf die Leute ein. Wie geht das?

Mein alter Hund ist müde, an guten Tagen drehen wir ganze 10 Minuten unsere Runden, an schlechteren sind’s nur fünf. Der Hund soll selbst entscheiden, dachte ich mir und ließ mir eine kluge Strategie einfallen. Sobald wir an die Rückseite des Hauses angelangt sind, mache ich das Gartentörchen auf und der Hund kann, sofern er will direkt wieder heimgehen. Folgendes spielt sich seitdem ab: Der Hund setzt sich vorm geöffneten Tor hin, ich stehe auffällig uninteressiert seitlich zu ihm. Nach einem Weilchen mache ich einen Ausfallschritt in den Garten hinein, verweile kurz in der Stellung und schwinge mich dann wieder aus dem Garten hinaus. Erst dann setzt sich mein Hund in Bewegung, mal rein, mal weiter.

Offensichtlich habe ich ihm beigebracht, dass wir erst nach meiner sinnfreien Vorführung weitergehen können. Da ließ er sich was Tolles einreden und ich kann mir selbst gratulieren. Ja, ich kann es, wir können es alle. Wir müssen nur schön aneinander vorbei kommunizieren. Den Hund trifft hier natürlich keine Schuld.

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