Kleider machen Leute

 

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Ich habe eine Freizeithose, die nicht ausbeult an. Sie ist ausgebeult an den Knien, hinten auch. Dazu trage ich weiße Socken mit Glitzersternen in blau drauf, die Fersen durchgescheuert. Dazu schließlich einen Pulli aus gerupftem Polyesterteddybärfell – oder etwas was dem ähnelt sehr! Der Hund nickt anerkennend, ihm gefällt die Kleiderwahl. Unsportlich leger, wir bleiben zuhaus. 

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Über Stein und Stock

Das letzte Wort über die Wunder des Hundes ist noch nicht geschrieben / Jack London
Das beste Foto ist auch noch nicht geschossen, gerade von pfeilschnellen Hunden nicht.

 

Schlechte Manieren

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Mama, Papa, Pudel spazierten im Park, eine Bilderbuchfamilie, kein Zweifel daran. Der Zusammenhalt an der dreifachen Dauerwelle gut erkennbar, unterschiedlich in der Farbe wenngleich, einmal rabenschwarz, eichhörnchenbraun und honiggelb der Pudel selbst. Sie machten kleine Schritte und benahmen sich im Allgemeinen sehr gesittet im Park. Oh, eine Bank! Wollen wir uns setzen? Sie taten das, der Pudel seufzend, er ginge wohl lieber weiter voran. Wir zwei kamen immer näher heran. Die Leine spannte sich, spitzdünnes Gezeter brach auf unserer Seite des Weges aus, bankseits blieb man ruhig, entspannt. War das nötig, fragte ich missgestimmt danach, mein Hund schwieg sich dazu ausgedehnt aus. Er beschleunigte wie mir schien freudig, als ich sagte, so, jetzt gehen wir nach Haus. Ist wie es ist, Familie sucht man sich nicht aus. 

Ein Wintergast, …

… der bis zum Frühling blieb. Bambi – mein schwieriger Pflegehund. So schwer es mir anfangs fiel einen Hund, der nicht mein Sternchen, nicht mein großer Schatz war in meiner Nähe zu haben, so tränenreich wird die Trennung sein. Auf sie wartet schon ein neues Zuhause, es dauert noch ein Weilchen, bis sie dort einziehen kann.

 

Der Zauberlehrling

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Benommen schaue ich mich um, kein Zweifel, ich bin geschrumpft. Hier lang, ruft die Maus und rast voraus! Schnell, nicht stehenbleiben, lauf, jetzt verstecken, jetzt sich retten! Hechtend über die Stummel der Zigaretten springen wir ins Mäuseloch. Wir sind nur knapp mit dem Leben davongekommen. Aber hier drinnen in der Mäusehöhle, hier sprechen wir nicht über Gefahren, hier trinken wir Tee aus Haselnussschalen. Die schöne Tapete mit dem Käsemuster, die weiche Decke aus Spinnengarn gesponnen lassen mich vergessen, ich fühle, ja, es ist wahr, mir wachsen Mäuseohren. Oh Zauberlehrling, was hast du getan! Meister, hilf, sieh was hat er nur heraufbeschworen!

Hat der alte Hexenmeister
sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
auch nach meinem Willen leben.
Seine Wort und Werke
merkt ich und den Brauch,
und mit Geistesstärke
tu ich Wunder auch.

Walle! walle
Manche Strecke,
daß, zum Zwecke,
Wasser fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.

Und nun komm, du alter Besen!
Nimm die schlechten Lumpenhüllen;
bist schon lange Knecht gewesen:
nun erfülle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
oben sei ein Kopf,
eile nun und gehe
mit dem Wassertopf!

Walle! walle
manche Strecke,
daß, zum Zwecke,
Wasser fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.

Seht, er läuft zum Ufer nieder,
Wahrlich! ist schon an dem Flusse,
und mit Blitzesschnelle wieder
ist er hier mit raschem Gusse.
Schon zum zweiten Male!
Wie das Becken schwillt!
Wie sich jede Schale
voll mit Wasser füllt!

Stehe! stehe!
denn wir haben
deiner Gaben
vollgemessen! –
Ach, ich merk es! Wehe! wehe!
Hab ich doch das Wort vergessen!

Ach, das Wort, worauf am Ende
er das wird, was er gewesen.
Ach, er läuft und bringt behende!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
bringt er schnell herein,
Ach! und hundert Flüsse
stürzen auf mich ein.

Nein, nicht länger
kann ichs lassen;
will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach! nun wird mir immer bänger!
Welche Miene! welche Blicke!

O du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh ich über jede Schwelle
doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
steh doch wieder still!

Willst am Ende
gar nicht lassen?
Will dich fassen,
will dich halten
und das alte Holz behende
mit dem scharfen Beile spalten.

Seht da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nur auf dich werfe,
gleich, o Kobold, liegst du nieder;
krachend trifft die glatte Schärfe.
Wahrlich, brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen,
und ich atme frei!

Wehe! wehe!
Beide Teile
stehn in Eile
schon als Knechte
völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!

Und sie laufen! Naß und nässer
wirds im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! hör mich rufen! –
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister
werd ich nun nicht los.

„In die Ecke,
Besen, Besen!
Seids gewesen.
Denn als Geister
ruft euch nur zu seinem Zwecke,
erst hervor der alte Meister.“

Johann Wolfgang von Goethe, Der Zauberlehrling

Vergängliches zum Dessert

img_0651Ich gehe durchs Moor im dichten Nebel, mit mir ein Fuchs, stolz führt er mich durch sein Anwesen. Sein rotes Winterfell taucht vor mir auf, taucht wieder ein in den Nebel. Er wird mir finden den schwarzen Specht, die Fischotter, die am Ufer spielen, hier werden Maiglöckchen wachsen, wird er mir zeigen, hier die Ringelnatter ihre Haut verlieren. Der Fuchs wird mir die alten, teuren Spuren finden. Wir schauen am Baum hoch, unterm wackligen Steg. Komm, kriech in den Bau, wendig mir nach, wieselig wie ich. Schöne Maid, ruft er schließlich, der alte Schmeichler, ich kann nichts finden! Der Wind trug die alten Spuren davon, ich sah sie gerade noch verschwinden, wir müssen neue legen! Das machen wir, Fuchs! Ein flacher Seufzer und ich füge noch hinzu, so ists im Leben!

Und noch mal Vergängliches, von Fontane.

Ich ging über’s Heidemoor allein,
Da hört ich zwei Raben kreischen und schrein;
Der eine rief dem andern zu:
»Wo machen wir Mittag, ich und du?«
»Im Walde drüben liegt unbewacht
Ein erschlagener Ritter seit heute Nacht,
Und niemand sah ihn im Waldesgrund,
Als sein Lieb und sein Falke und sein Hund.
Sein Hund auf neue Fährte geht,
Sein Falk auf frische Beute späht,
Sein Lieb ist mit ihrem Buhlen fort, –
Wir können in Ruhe speisen dort.«
»Du setzest auf seinen Nacken dich,
Seine blauen Augen, die sind für mich,
Eine goldene Locke aus seinem Haar
Soll wärmen das Nest uns nächstes Jahr.«
»Manch einer wird sprechen: Ich hatt‘ ihn lieb!
Doch keiner wird wissen, wo er blieb,
Und hingehn über sein bleich Gebein
Wird Wind und Regen und Sonnenschein.«

Theodor Fontane, Die zwei Raben, 1855

Im Garten/25.05.16

Herrgott, richte es so ein,
daß es täglich von Mitternacht bis drei Uhr früh regne,
aber langsam und warm, weißt du, damit es einsickern kann;
doch soll es dabei nicht auf die Pechnelke, das Steinkraut, Sonnenröschen,
den Lavendel und andere Blumen regnen,
die dir in deiner unendlichen Weisheit als trockenliebende Pflanzen bekannt sind – wenn du willst, schreibe ich es dir auf ein Blatt Papier auf;
ferner soll die Sonne den ganzen Tag über scheinen,
aber nicht überallhin (zum Beispiel nicht auf den Spierstrauch und Enzian,
noch auf Funkie und Rhododendron) und auch nicht zu stark;
dann möge es viel Tau und wenig Wind geben,
genug Regenwürmer, keine Blattläuse, Schnecken und keinen Mehltau,
und einmal in der Woche
verdünnte Jauche mit Taubenmist regnen.
Amen.

Karel Čapek aus: Das Jahr des Gärtners

Schlaflos

 

 

imageDie verfluchten Vollmondnächte rauben mir den Schlaf. Ihr Teufelsknechte, wie soll ich leben mit der Schmach! Die Unke, die Zähne, die Krähe, aber ich erzähle es besser der Reihe nach. Nicht hell, doch wach ging ich in den Wald, ein Pirol schmachtete in a-Moll, ich will dich sehen, ich kriege dich, du unsichtbarer Strolch! Ich kletterte den Baum hoch, griff nach der Steuerfeder, doch der Vogel entflog. Uh uh uh! Eine Unke warf mir von unten einen merkwürdigen Blick zu. Ich lächelte, vergaß den Fluch. Zählt eine Unke die Zähne durch, fallen sie aus, als risse man an einer Perlenschnur. Eins, zwei, drei, vier, alle mir! Fünf, sechs, sieben. Aber dort drüben, der Pirol! Diesmal packte ich ihn an den Schwungfedern, aber warum, was mache ich nur? Uh uh uh, das ist der Fluch! Der Pirol war eine Krähe, ich wurde sie nicht los. Da oben auf meinem Kopf, im eigens dafür zusammengerupften Zopf baute sie ein Nest, legte Eier dort. Oh, jetzt muss ich so leben – die Unke, die Zähne, die Krähe auf dem Kopf!

Was hast du was ich nicht habe?

image.pngAls ich im Park spazieren ging – ich suchte Kraft und Ruhe, schloss sich mir ein Begleiter an, elegant schritt er neben mir her. Was quält dich, fragte er. Mir gelingt so vieles nicht, es fehlt etwas, es fehlt … Ich weiß was dir fehlt, schau! Er schlug Rad, smaragdgrün, ein wogender Ozean, ich bin wunderschön, murmelte selbstvergessen der mich begleitende Pfau, bis er schließlich befand: Persönlichkeit! Ach, du bist doch nur ein aufgeplusterter Vogel! Es traf ihn irgendwie nicht, da sah ich schon den doppelten, sehr alten Boden. Nichts Neues, immer wieder, man braucht bloß ein abperlendes Gefieder!