Der Antrag

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– Ihr Antrag enthält zu viele Fehler. Abgelehnt!
– Kontra!
– Re!
– Bock!
– HIRSCH!
Das Spiel gewinne ich nicht. Ich schleiche mich vom Platze, stecke den Antrag auf Glück in die Tasche. Also Fehlersuche! Ich begebe mich in den Urwald der ungeputzt verhangenen Lebensjahre und fange an, das Gestern auszugraben. Ich werde die Fehler finden. Mich rückwärtsgehend vorwärts schlagen, denn irgendwo unter den geschichteten Tagen liegt das Glück begraben.

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Beim Friseur

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Heute ist Karneval, ich bin beim Friseur. De Höhner heizen an, der Laden tobt.

– Was machen wir denn heute?
– Nur schneiden
– Soll da eine Pflege rein?
– Bitte nein
– Föhnen?
– Nein
– Dann können wir nicht legen!

Gut so, passt, bin zufrieden, so fühle ich mich oft. Ungelegen!

 

Kompliziert

imageIn mich hinein erklärte ich´s mir, sehr kompliziert, aber ich verstand´s, dem Himmel sei Dank! Bei den Eichen war ich mir ganz sicher, bei den Buchen immer noch, bei den Pappeln verlor ich den Faden, nahm ihn wieder auf am Wassergraben. Dort bereits voller Zweifel, der Erklärungsturm nur hochgestapelt, nicht sturmsicher, wackelt, fällt. Ich gehe nach Haus´, stehe im Flur, Regentropfen hängen an meines Südwesters Schnur. Ich verstehe nichts mehr. Was soll´s, meinetwegen. Hunde, wir müssen wieder in den Regen!

Stille

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Das Kind mit dem ernsten, ruhigen Gesicht übte heimlich den heiteren Blick, riss die Augen auf und zog die Mundwinkel bis zu den Ohren hoch. Etwas seltsam, doch das Kind wirkte fröhlich. Es tanzte, sang schräg, trug Gedichte vor. Heute, wenn ich an einem geselligen Tisch sitze, ein reißfestes Glied einer Frohsinnskette, wieder breit lachend und schwungvoll wie platt schwadronierend, denke ich betreten und sprachlos im Innern, wie gut würde mir doch die verlernte Stille stehen.

Was hast du was ich nicht habe?

image.pngAls ich im Park spazieren ging – ich suchte Kraft und Ruhe, schloss sich mir ein Begleiter an, elegant schritt er neben mir her. Was quält dich, fragte er. Mir gelingt so vieles nicht, es fehlt etwas, es fehlt … Ich weiß was dir fehlt, schau! Er schlug Rad, smaragdgrün, ein wogender Ozean, ich bin wunderschön, murmelte selbstvergessen der mich begleitende Pfau, bis er schließlich befand: Persönlichkeit! Ach, du bist doch nur ein aufgeplusterter Vogel! Es traf ihn irgendwie nicht, da sah ich schon den doppelten, sehr alten Boden. Nichts Neues, immer wieder, man braucht bloß ein abperlendes Gefieder!

Feuer zieh!

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Wir sitzen am Kamin, schauen ins Feuer. Leb´ wohl, Winter! Geh!
Ich: Wünsch´ dir was!
Hund1: Feuer zieh! Steige auf! Drachenköpfig, flammenwerfend, zischend, speiend. Ich habe die Macht, das verkünde, sie sollen vor Furcht erstarren!
Ich: Ganz du selbst, jaaa
Hund1: Jetzt du
Ich: Feuer zieh, wüte, zerstöre, verbrenne, zieeeeh …
Hund2: Feuer zieh … ??!!
Ich: … damit jeder im Dunkeln ein Licht sieht
Hund2 nickt. Wir schauen ins Feuer, in die wärmenden Flammen, so ist es gut, die Bitterkeit schwindet, man muss die gewaltige Kraft zähmen.

Männersache

imageIch fürchte mich durch den dunklen Wald nach Hause zu gehen, sagte sie und schaute erwartungsvoll in die Runde. Die kleinen Männer waren dran. Zwei von ihnen fassten sich ein Herz und wohl auch an den Händen. Wir gehen durch den Wald! Das Mädchen ging voraus, kannte es doch jeden Stein, jeden Baum, jeden Strauch, ach wie schön ist der Wald. Nicht bei Nacht, fanden die beiden Jungen. Die wildpochenden Herzen tief in die Latzhosen gerutscht, stolperten die zwei Indianer, in ihren Männerrollen verloren, durch den finsteren Wald. Männersache – Wer hat´s überhaupt erfunden?!