Kleider machen Leute

 

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Ich habe eine Freizeithose, die nicht ausbeult an. Sie ist ausgebeult an den Knien, hinten auch. Dazu trage ich weiße Socken mit Glitzersternen in blau drauf, die Fersen durchgescheuert. Dazu schließlich einen Pulli aus gerupftem Polyesterteddybärfell – oder etwas was dem ähnelt sehr! Der Hund nickt anerkennend, ihm gefällt die Kleiderwahl. Unsportlich leger, wir bleiben zuhaus. 

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Über Stein und Stock

Das letzte Wort über die Wunder des Hundes ist noch nicht geschrieben / Jack London
Das beste Foto ist auch noch nicht geschossen, gerade von pfeilschnellen Hunden nicht.

 

Der Antrag

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– Ihr Antrag enthält zu viele Fehler. Abgelehnt!
– Kontra!
– Re!
– Bock!
– HIRSCH!
Das Spiel gewinne ich nicht. Ich schleiche mich vom Platze, stecke den Antrag auf Glück in die Tasche. Also Fehlersuche! Ich begebe mich in den Urwald der ungeputzt verhangenen Lebensjahre und fange an, das Gestern auszugraben. Ich werde die Fehler finden. Mich rückwärtsgehend vorwärts schlagen, denn irgendwo unter den geschichteten Tagen liegt das Glück begraben.

Schlechte Manieren

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Mama, Papa, Pudel spazierten im Park, eine Bilderbuchfamilie, kein Zweifel daran. Der Zusammenhalt an der dreifachen Dauerwelle gut erkennbar, unterschiedlich in der Farbe wenngleich, einmal rabenschwarz, eichhörnchenbraun und honiggelb der Pudel selbst. Sie machten kleine Schritte und benahmen sich im Allgemeinen sehr gesittet im Park. Oh, eine Bank! Wollen wir uns setzen? Sie taten das, der Pudel seufzend, er ginge wohl lieber weiter voran. Wir zwei kamen immer näher heran. Die Leine spannte sich, spitzdünnes Gezeter brach auf unserer Seite des Weges aus, bankseits blieb man ruhig, entspannt. War das nötig, fragte ich missgestimmt danach, mein Hund schwieg sich dazu ausgedehnt aus. Er beschleunigte wie mir schien freudig, als ich sagte, so, jetzt gehen wir nach Haus. Ist wie es ist, Familie sucht man sich nicht aus. 

Kätzchens Erwachen

 

 

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Ich träumte vom Morgentau und wie sich der Regenbogen darin bricht. Wie ich die ungeheure Finsternis zum Kleinnachtblau zerlege mit einem Leuchtschwert aus Glühwürmchenlicht. Man fürchtet mich. Wie ich den Nachbarshund ärgere und der Dummkopf mich nicht erwischt. Wie ich, der Kung-Fu-Fighter die Nachtfalter jage, auf dass sie zum Mond auffliegen und auf ihren Flügeln da sitze ich. Von fetten Mäusen zum Nachtisch. Am Ende aller Träume, gibts heute Fisch? 🐟 

Das Jenseits

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Die Genehmigung für den neuen Friedhof wurde noch nicht erteilt, im siebten Jahr liegt er brach, ohne Habe in seinem Leib. Die Meinungen darüber sind zweigeteilt, die einen wollen hüben, die anderen drüben begraben sein. Hier, nah am Haus will ich ruhen, sagt eine junge Frau. Ich verstehe, am Friedhof leben, auf dem Friedhof liegen, im Jenseits und doch zu Hause geblieben. Sie hat noch Zeit. Die anderen wollen nicht die ersten auf dem unberührten Friedhof sein, denn selbst ein Bündel Knochen fürchtet sich davor, allein zu sein. Auf manche Toten wartet ein Umzug. Zur gegeben Zeit. Die Genehmigung wird es regeln. Das gilt, versteht sich, diesseits. Jenseitige Formalitäten, meine Damen und Herren, sind mit dem Knochenmann zu klären. 

 

 

Ein Wintergast, …

… der bis zum Frühling blieb. Bambi – mein schwieriger Pflegehund. So schwer es mir anfangs fiel einen Hund, der nicht mein Sternchen, nicht mein großer Schatz war in meiner Nähe zu haben, so tränenreich wird die Trennung sein. Auf sie wartet schon ein neues Zuhause, es dauert noch ein Weilchen, bis sie dort einziehen kann.

 

Aus dem Tagebuch eines Heizungsinstallateurs

 

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Liebes Tagebuch, manche Kunden machen nur Probleme …
Anfang Dezember letzten Jahres beauftragte mich ein Mann mit der Reparatur seiner Heizung, wortreich schilderte er das Problem. Es war ermüdend ihm zuzuhören, daher blendete ich seinen Redefluss aus und fokussierte mich unmittelbar auf die Kernaussage – es gibt ein Problem mit der Heizungsanlage. Ich unterbrach ihn schließlich mit den Worten – das kriegen wir schon hin – und schlug einen Vor-Ort-Termin vor. Vor Ort empfing mich eine Frau, die zu meinem Missfallen ebenfalls äußerst mitteilsam war. Sie war nett, so tat ich aufmerksam und lächelte freundlich. In Wirklichkeit befasste ich mich bereits mit der Aufgabe (Heizungsanlage!) und mit der Lösungsfindung. Bald – ein simples wie wirkungsvolles Mittel – skizzierte ich einen Lösungsentwurf frei Hand auf ein Blatt Papier. Als die Frau unbeeindruckt erneut zum Reden einsetzte, fiel ich ihr mitten ins Wort mit der Zusicherung, dass am Ende alles zu 100% funktionieren wird. Damit bekam ich sie glücklicherweise und endlich mundtot. Keine Woche später führte ich die Maßnahme durch, das Problem mit der Heizung blieb jedoch bestehen. Ich war in Eile, deshalb sammelte ich schnell mein Werkzeug ein, sagte – da müssen wir noch nachschauen und ging. Die Frau schien das nicht zu verstehen. Später rief der Mann an, ich war nicht da, d.h. für ihn war ich nicht da. Der Mann wurde lästig, rief mehrmals an. Ende Januar ließ ich ihn schlussendlich zu mir durchstellen. Er war einsichtig, kooperativ, gewillt weiterhin mit mir an einer Lösung zu arbeiten. Es folgte ein zweiter Vor-Ort-Termin. Ich war verunsichert, der Mann verhielt sich vernünftig, aber die Frau? Sie saß stumm mit verschränkten Armen auf ihrem Stuhl und wich meinen mitfühlenden Blicken aus. Ihre Körpersprache verriet mir Ablehnung, feindselig gar saß sie da, auf einmal kam sie mir unsäglich hässlich vor. Das mir das vorher nicht aufgefallen war! Der Mann bohrte nach – Warum ist die Maßnahme fehlgeschlagen? Fehlgeschlagen? Mitnichten, erklärte ich, alles richtig, bis auf die Heizung. Die Heizung ist das Problem, stellte ich klar – ich schaute in die leeren, dummen Gesichter meiner Kunden. Die Heizung, wiederholte ich. Mann und Frau zeigten sich begriffsstutzig, was ich ihnen nicht abnahm, dafür wirkten sie beide zu verschlagen, hinterlistig, böse von Grund auf. Wir verabschiedeten uns unterkühlt. Später rief der Mann wieder an. Wir möchten uns im Guten von Ihnen trennen und sind deshalb bereit die Hälfte der Rechnung zu bezahlen – sagte er. Dreist! Ich willigte dennoch ein, ich hatte nicht die Kraft aufs Neue zu erklären – sehen Sie, ehmm, die Heizung, die Heizung ist das Problem!

Beim Friseur

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Heute ist Karneval, ich bin beim Friseur. De Höhner heizen an, der Laden tobt.

– Was machen wir denn heute?
– Nur schneiden
– Soll da eine Pflege rein?
– Bitte nein
– Föhnen?
– Nein
– Dann können wir nicht legen!

Gut so, passt, bin zufrieden, so fühle ich mich oft. Ungelegen!