Schlechte Manieren

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Mama, Papa, Pudel spazierten im Park, eine Bilderbuchfamilie, kein Zweifel daran. Der Zusammenhalt an der dreifachen Dauerwelle gut erkennbar, unterschiedlich in der Farbe wenngleich, einmal rabenschwarz, eichhörnchenbraun und honiggelb der Pudel selbst. Sie machten kleine Schritte und benahmen sich im Allgemeinen sehr gesittet im Park. Oh, eine Bank! Wollen wir uns setzen? Sie taten das, der Pudel seufzend, er ginge wohl lieber weiter voran. Wir zwei kamen immer näher heran. Die Leine spannte sich, spitzdünnes Gezeter brach auf unserer Seite des Weges aus, bankseits blieb man ruhig, entspannt. War das nötig, fragte ich missgestimmt danach, mein Hund schwieg sich dazu ausgedehnt aus. Er beschleunigte wie mir schien freudig, als ich sagte, so, jetzt gehen wir nach Haus. Ist wie es ist, Familie sucht man sich nicht aus. 

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Gedankenlos

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Schultern, Hals, schlecht frisierter Kopf, darin ein Durcheinander, ich warf ja alles in einen Topf. Bis, bis ich es nicht mehr aushielt und kurzerhand auszog. Aus dem Haus? Nein, aus dem Kopf. Ist da wer? Leer, antwortet das Echo, leer, er, er.

Coal Minerˋs Daughter

imageWir vom Revier schaukeln breitbeinig über das durchlöcherte Land, nicht leichtfüßig, nicht elfengleich. Wenn ich abhebe, stürze ich doch nur krachend ab, lande unten in einem verlassenen Kohlenschacht. Ich pruste und huste Kohlenstaub aus, gewöhne mich an die Dunkelheit, an das Leben im Schacht. Mit einem Schlägel schlage ich auf die pechschwarze Wand ein, schwarzes Gold, Diamanten vielleicht, irgendwo hier unten werden sie schon sein. Die Bergmännchen streuen mir Irrlichter ins Aug´, ich falle bereitwillig, leichtgläubig darauf ein. Lacht nur, lacht! Trotzdem, hier unten kenne ich mich aus. Da oben die Sterne sind nicht für mich gemacht.

Was hast du was ich nicht habe?

image.pngAls ich im Park spazieren ging – ich suchte Kraft und Ruhe, schloss sich mir ein Begleiter an, elegant schritt er neben mir her. Was quält dich, fragte er. Mir gelingt so vieles nicht, es fehlt etwas, es fehlt … Ich weiß was dir fehlt, schau! Er schlug Rad, smaragdgrün, ein wogender Ozean, ich bin wunderschön, murmelte selbstvergessen der mich begleitende Pfau, bis er schließlich befand: Persönlichkeit! Ach, du bist doch nur ein aufgeplusterter Vogel! Es traf ihn irgendwie nicht, da sah ich schon den doppelten, sehr alten Boden. Nichts Neues, immer wieder, man braucht bloß ein abperlendes Gefieder!

Der Storch

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Eingetroffen am frühen Abend des 4. Aprils, er ist wieder da – der Storch. Bin froh darüber, verkündete doch ein polnisches Satireblatt kürzlich bitterböse: Polen weigert sich die aus dem Süden einfliegenden Störche aufzunehmen!

Wovon Hasen träumen

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Es traf der junge Hase einen wilden Mann. Ein Rauschebart! So einer würde mir gut stehen, geriet das kleine Häschen ins Schwärmen. Ein Bart wie dieser braucht Jahre, so lange wirst du nicht leben. Nein? Nein! Von der Maus die runden Ohren? Und weg war die Maus, kein Geplauder über Ohren! Keine Kiemen vom Fisch, kein Gefieder vom Vogel, keine Stacheln vom Igel. Tief enttäuscht ging der Hase nach Haus´, rupfte unterwegs noch ein paar Möhren raus. Er blieb – flauschig-weich, runder Kopf, Augen groß wie Murmeln – unglücklich mit seinem Aussehen.

Die Rückkehr des Winters `16

14. März ´16. Der Winter gibt nicht auf, Beweisfotos vom heutigen Morgenspaziergang. Korrektur: Es soll 15. März heißen. Anscheinend habe ich den gestrigen Tag verschlafen.

Im Keller

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Jahr für Jahr zu dieser Zeit spielte sich im finsteren Keller eine schaurige Kartoffelschau ab. Eine Leuchtbirne sendete ein schwaches Lichtsignal aus, alles was kreuchte und fleuchte malte in milchig-feuchtem Halbdunkel Schatten an die Wand. Ein Lichtschacht weckte die Sehnsucht nach einem Ausbruch in die Welt hinaus. Die Kröten, die sich das Winterlager im sandigen Boden mit den gelagerten Kartoffeln, den Mäusen und den Kellerasseln teilten, krochen jetzt den Kartoffelberg hinauf, zur Sonne, zum Licht, Hinaus! Der taktile Albtraum begann. Blind griffen wir in den nasskalten Sand hinein, die guten Kartoffeln ins Körbchen, die verfaulten müssen raus. Luft anhalten, Griff in den Sand, gute Kartoffel, Gott sei Dank! Nur ertastete man manchmal Weiches. Kröte, Maus, toter Maulwurf, Ringelnatter, Blindschleiche, wer weiß?!

Bis heute löst eine faule Kartoffel Panik in mir aus. Einer Zwiebel dagegen lasse ich es ungerührt durchgehen, passiert schon mal.

Das Fräulein und der Kater

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Das Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang,
Es rührte sie so sehre
Der Sonnenuntergang.
Mein Fräulein! sein Sie munter,
Das ist ein altes Stück;
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten zurück.

Heinrich Heine

Schauˋ Kater, alles Schall und Rauch!
Ja, Mutter. Teufel aber auch!