Im Keller

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Jahr für Jahr zu dieser Zeit spielte sich im finsteren Keller eine schaurige Kartoffelschau ab. Eine Leuchtbirne sendete ein schwaches Lichtsignal aus, alles was kreuchte und fleuchte malte in milchig-feuchtem Halbdunkel Schatten an die Wand. Ein Lichtschacht weckte die Sehnsucht nach einem Ausbruch in die Welt hinaus. Die Kröten, die sich das Winterlager im sandigen Boden mit den gelagerten Kartoffeln, den Mäusen und den Kellerasseln teilten, krochen jetzt den Kartoffelberg hinauf, zur Sonne, zum Licht, Hinaus! Der taktile Albtraum begann. Blind griffen wir in den nasskalten Sand hinein, die guten Kartoffeln ins Körbchen, die verfaulten müssen raus. Luft anhalten, Griff in den Sand, gute Kartoffel, Gott sei Dank! Nur ertastete man manchmal Weiches. Kröte, Maus, toter Maulwurf, Ringelnatter, Blindschleiche, wer weiß?!

Bis heute löst eine faule Kartoffel Panik in mir aus. Einer Zwiebel dagegen lasse ich es ungerührt durchgehen, passiert schon mal.

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7 Gedanken zu “Im Keller

  1. okay, die kleinen Übertreibungen machen die Poesie aus. (Ist dir gelungen 🙂
    Wir hatten auch einen Kartoffelkeller …Und ja, faule Kartoffeln sind eklig und stinken. Sind halt Nachtschattengewächse. (auch sone poetische Wortprägung). Einen schönen Tag wünsche ich! Gerda

    Gefällt 1 Person

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