Eiskalt

imageDas alles wird einmal dir gehören, jeder Stein, schau‘, auch die Nägel in der Wand, sagte der Vater zu seinem jüngsten Kind, dem Nachzügler, dem fröhlichen Kind. Es sollte anders kommen.

Die Fischerstiefel stehen nicht im Flur, warum? Da klopfte es schon an der Tür, Kälte zog durch das Haus, kroch bis ins Kinderbett vor. Der Vater war tot. Barfuß ohne Schuhe stand er aufrecht im See, unter dünnem Eis, tot, gespenstisch rot die Mütze auf seinem Kopf. Wer treibt hier seinen schändlichen Schabernack? Der Wassergeist, der böse Nöck? Haha, haha, mein Werk! Die rote Mütze zeigt euch den Weg! Jemand sagte, es waren drei Männer am See, jemand trug die Stiefel, jemand warf sie später über den Zaun. Die Mutter stellte sie an ihren Platz im Flur. Lasst nur, lasst endlich Frieden sein, sagte sie nur.

Das fröhliche Kind von einst kann sich nicht erinnern. Ich hatte ein Kleid mit roten Äpfeln drauf. Ein Vater, der seine Familie liebt, ein Apfelkleid und die Stiefel im Flur – so viel, so wenig, nicht mehr, die ganze Kindheit ist damit erzählt. Die Erinnerung an das versprochene Haus ging auch verloren.

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