Hund im Haus. Eine Kosten-Nutzen-Analyse

imageNüchtern betrachtet, ich kann nicht anders, was bleibt übrig, frage ich mich? Was bleibt übrig nach Abzug aller Kosten, Mühen und Zeit. Nicht viel. Hunde erzeugen Wärme, heißt es, eine komplizierte Umrechnung, doch am Ende reicht es für nichts. Hunde verteilen das Chi, die gute Energie, die sich sonst im Hausflur stauen würde. In der Tat verteilen wir sehr viel, allein wie sie mich zum Narren halten mit dem Ich-muss-raus-gar-nicht-wahr-ich-muss-nicht-Spiel. Es sieht nicht gut für euch aus! Ohgottohgottohgott, verzweifelt Hund2.
– Was sagst du dazu, Hund1?
– Nüchtern betrachtet, sagst du?
– Ja
– Schenk´ dir was ein und trink´!

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Werd´ Karten spielen

imageEiner von uns wird der Nächste sein. Ein böser Spruch machte die Runde als wir vor zwei Jahren am Grab eines Schulfreundes standen. Wir haben den Nächsten.

Im letzten Sommer beim Klassentreffen forderte er mich zum Tanzen auf. Himmel hilf, er konnte es nicht, ich auch nicht, was für ein lächerliches Paar, dachte ich. Am Tisch saß er mir schräg gegenüber, wir sprachen nur wenig miteinander. Schmächtig, große Augen, der Sarg wird nicht schwer gewesen sein. Ich hatte es versäumt etwas Bedeutungsvolles zu sagen. Angeregter unterhielt ich mich mit meinem Sitznachbar rechts, über Rosen. Komm‘ vorbei, der Rosengarten wird dir gefallen. Bin ich nicht, kann ich später machen, er ist ja nicht gestorben. Ein anderer rief, er kenne unser aller Geburtstage. Dann sag‘, sag‘ meinen, meinen und meinen auch! Er kannte sie alle, er wird sich auch die Todestage merken, denke ich. Ich kann ihn später fragen, er stirbt mir doch nicht. Aber einer, trivial, wird der Nächste sein. R.I.P.

* (vorher im Text: Die angetrunkene Seele schickt sich an, in den Himmel zu fahren)

Wankst in den Himmel, du Lump
Was wirst dort machen, was nun?

Werd´ wohl Kuku spielen dort
Mit den Engeln Biere brauen
Am Feuer abends
Pfeife rauchen
In der Hängematte schaukeln
Bis zum Mittag süß nur träumen
Über Berge, die ich liebe
Lass´ ich meine Blicke schweifen

* Auszug aus dem Lied „Kuku“ der polnischen Band Golec uOrkiestra. Der Originaltext ist in einem Dialekt der polnischen Karpaten verfasst. Der freien Übersetzung geht der rau-weinerliche Charme des Originals leider verloren. Kuku ist ein Kartenspiel.

Pelzige Gedanken

imageWoran denkt mein Hund, wenn er halb im Schlaf, halb wach vorm Kamin liegt? Siehst du den Gräsertango? Fragt er mich. Den Espenlaubwind? Den bunten Schatten, der ins Dunkle flieht? Ich stocke, bin ratlos, was sage ich ihm? Nein? Hakt er nach, gibt es das nicht? Doch, doch, das alles gibtˋs. Woran denken Hunde, Tiere? Ich weiß es nicht.

Versumpft

imageLange, lange hatte ich auf meine ersten Gummistiefel gewartet. Bis dahin machte ich brav und stiefellos um alle Tümpel einen großen Bogen. Und dann hatte ich sie, sie standen auf dem Tisch, meine Größe, für mich. Ich zog sie an und lief zu den Pfützen hinaus. Endlich Matsch, Sumpf, Morast. Ich bekam Flügel, sprang mit Wucht in den Matsch hinein. Ich kann über den Sumpf fliegen, dachte ich, bis ich samt den neuen Stiefeln im breiigen Boden versank. Kein vor, kein zurück. Ich bin keiner, der gleich Panik schiebt, aber wenn mich nicht bald einer hier stehen sieht, dann weiß ich nicht. Man zog mich raus. Meine Stiefel! Rettet auch sie!

Übermut, Höhenflug, tiefer Fall. Ich dachte … aber nein, selbst wenn man Zauberstiefel trägt ist man davor nicht gefeit.

Humorlos

baner-kuh

Du bist dumm wie ein Ochse, stand in dem Brief, den mir ein Mitschüler schrieb. Es kostete mich Mühe aus dem krummen Buchstabensalat den Inhalt zu erraten, auch die Zeichnung half nicht. Aber dann, Ochse, ich. War nicht beleidigend, im Gegenteil, Botschaften wie diese galten viel, waren beliebt. Ich antwortete, humorlos wie ich heute weiß, wenig galant und nicht so sicher im Stil. Ein Ochse ist ein Mann, ich nicht. Ob ein Ochse dumm ist, weiß ich nicht, er wird nicht dümmer sein als du! Es flogen noch viele Briefe über meinen Kopf hinweg, nur ich bekam keinen mehr.

 Ich war ein sehr ernstes Kind. Aber es gibt sich, es verliert sich. Es hat sich gegeben, ich lache heute auch über einen schlechten Scherz.

Schnee! / 2

21.01.16. Schnee, Frost, kalt, windig, trotzdem sehr schön.

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Im Wald
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Im Wald
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Waldweg
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Mitten im Weg liegt ein totes Huhn. Oder etwas anderes, es fehlt der Kopf. Mein Hund wollte der Sache auf den Grund gehen, durfte aber nicht.
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Dompfaffen, diesmal ein Damenüberschuss.
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Am Waldrand
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Am Waldrand

Bube, Dame, As

imageNein und Vielleicht. Mir ist das Ja abhanden gekommen. Das Ja war offen, entschlussfreudig, bejahend, manchmal aufmüpfig, ging Risiken ein, nahm Einladungen an. Passte nicht zu mir, ich habe es zum Teufel gejagt. War vielleicht ein Fehler. Vielleicht, nein, vielleicht nein. Ich stecke fest, komme keinen Schritt voran. Außerdem fehlt ein Dritter beim Skat, einer der das Spiel macht. War vielleicht ein Fehler.

Die Hausordnung

imageWir dachten, dass ein Hund feste Regeln braucht. Den Empfehlungen gemäß, legten wir daher eine bindende Hausordnung fest. Der Hund darf nicht in die Küche, nicht ins Schlafzimmer, folglich auch nicht ins Bett. Darf nicht am Tisch betteln, nicht auf die Couch, nicht im Wege stehen, nicht über eigene Ressourcen verfügen und noch einiges mehr, was er nicht darf.

Und dann kam er, damals noch mehr ein Pfundwurst, als ein richtiger Hund. Dieser Pfundwurst sah sich verloren im Zimmer um, behackte mit spitzen Zähnchen das Bücherregal, hangelte an der Gardine bis ein Loch riss, setzte sich schließlich vor uns hin. Ooooh, er macht Sitz! Fiep, fieeeep, fieeeep, der Pfundwurst klagte uns an. Er gewann, wir bekamen lebenslänglich und sitzen bis heute ein. Die Bedingungen sind gut, wir dürfen in die Küche, auf die Couch und sogar mit ins Bett.

Der Guthund und der Wuthund

Der Guthund strahlt. Schaut man in die haselnussbraunen Augen, spiegelt sich darin die Gutwelt wider. Ich freue mich mit meinem ganzen Selbst, bringe dir einen guten Schuh. Ohne Argwohn, freundlich, lieb. Mein Guthund mag uns alle, so wie wir sind.

Ich habe auch einen Wuthund, der poltert und grantelt, auf seiner Stirn steht „wichtig bin ich, nur ich“. Ich habe ihn natürlich trotzdem furchtbar lieb.