Frohe Weihnachten! Wesołych Świąt!

Frohe Weihnachten! Wesołych Świąt Bożego Narodzenia!

Es wird ein schneefreies Fest geben. Schön ist der Dezembergarten trotzdem.

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Eine Winterhochzeit

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Hier liegt ein Mann, gestorben im Jahr 2008, geliebter Vater, Großvater und Ehemann. Das Dorf hat vergessen. Niemand mehr sagt, dass der Mann seine Braut erschlug und sie tot in den Brunnen warf. Der Mann sagte damals aus, er wüsste nicht, warum sie zum Brunnen ging, er begleitete sie zum Haus, verabschiedete sich dann. Mörder, rief die Mutter der Braut im Gerichtssaal als der Richter auf einen Unglücksfall entschied. Mörder! Warum habe ich meine Tochter nicht? Sag! Warum? Sie schrie ihm das immer und immer ins Gesicht. Nur schaute er nicht auf, er hob nicht den Kopf, ging weiter still. Auf der Straße, vor der Kirche, jedesmal wenn sie an seinem Haus vorbeiging. Mörder! Sie fiel nicht hin! Sie rutschte nicht aus! Was wollte sie am Brunnen? Sag es mir! Mörder!

Vierzig Jahre nach der dunklen Winternacht verstarb die Mutter der Braut, der Mann atmete auf. Er überlebte sie um gut zwanzig Jahre, aber er hob den Kopf immer noch nicht. Das Dorf glaubte ihm nicht, aber alles schwieg. Ertrug er duldsam den Rufmord oder trug er schwer an seiner Schuld? Das Dorf hat längst vergessen, das Geheimnis liegt sicher im Grab.

An einem Tag im Winter, gerade dieser Tage heiratet ein Paar. Es werden Ringe, mit Steinen so klar wie Tränen, angereicht. Es sind Tränen. Tränen der Braut, die im Brunnen ertrank, eine für sie und eine für ihr ungeborenes Kind. Nun tritt die Braut vor den Altar.

 

Am Fluss

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Der hoch und weit geschossene Ball fiel in den Fluss, wodurch er sich dem Fußballspiel, das zwischen den Klassen 4a und 4b zu geschehen hatte, entzog. Du Idiot, selber Idiot, dem Ball hinterher! Jemand hatte einen guten Plan und rief, dass man sich vorne an der Flussbiegung aufstellen soll, er blieb ungehört. Wir alle rannten am steilen Ufer entlang, manche hangelten sich an den Sträuchern zum Flussbett hinunter, andere stocherten blind mit langen Stöcken ins Wasser hinein. Die meisten schrien nur laut oder stritten bereits, angesichts des drohenden Ballverlustes, um die Wertung des Spiels. Der Ball, der Ball. So spielten wir damals am Fluss.

Was wäre, wenn. Manchmal kehrte der Ball ins Spiel zurück, manchmal riss ihn der Fluss mit sich fort. Es geschah, was zu geschehen hatte oder es nahm stattdessen das Ungeschehene – was nun geschah – seinen Lauf. Was wäre, wenn? Ich halte mich damit nicht auf. Es ändert doch nichts.

Mopsfidel

herbst15-13

Ich: Wisst Ihr, es ist nämlich so, ich bin nicht sehr groß.
Hund1 und Hund2: ?
Ich: Ihr kennt Lolo, den Mops, er ist auch nicht groß …
Hund1 und Hund2: Lolo ist hier? Wo?
Ich: Halt! Nein! Also, ich bin nicht groß, also klein. Wollt Ihr mir zuhören oder nicht?
Hund1: Ich wünschte Lolo wäre hier. Ja, mach‘ schon, erzähl‘
Ich: Es war am ersten Schultag. Wir, die Erstklässler, von der Elternhand losgelassen standen in einer losen Traube vor dem Klassenraum. Die Lehrerin reihte uns, damit Ordnung herrscht, vom Kleinsten bis zum Größten auf. Mein Platz war nun in der ersten Reihe, rechts. Man sortierte uns gerne der Größe nach. Ich war der Eckpunkt, links oder rechts. Bei Schulaufführungen war ich der erste Engel und trug das Licht, der erste Hirte und trug den Hirtenstab, das Weizenkorn, aus dem ein Weizenfeld wird. Ich überreichte die Geschenkkörbe, schwenkte die Fahne, war das erste Tanzpaar bei der Polonaise, das heißt, die Hälfte davon. Mein Tanzpartner war auch nicht groß und außerdem merkte er sich die Schrittfolge nicht. Gingen wir paarweise und waren eine ungerade Zahl, so ging ich an der Lehrers Hand. Bis heute werde ich zornig, wenn man mich fragt, ob man mir helfen kann.
Hund1: Ja, und?
Ich: Es geht darum, dass ich das nicht wollte. Der Mittelpunkt, im Rampenlicht, auf dem Präsentierteller. Es überforderte mich, das bin nicht ich.
Hund2: Ich verstehe Dich. Du wolltest in der Menge untertauchen, manchmal unsichtbar sein, nicht anwesend, nicht da. So fühle ich mich gelegentlich auch. Bin ich groß, bin ich klein?
Ich: Schau‘ Dir Hund1 an. Großer Hund, noch größeres Ego, da passt alles haargenau. Du bist auch groß. Äußerlich. Innerlich eher ein Bichon Frisé.
Hund2: Oh, ein schneeweißer, zarter Wattebausch, ja das bin ich. Und Du?
Ich: Ich sehe mich ….
Hund1: Schluss jetzt! Ich wünschte Lolo wäre hier, ein kerniger Mops mit gesundem Selbstwertgefühl!

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Der Hypnotiseur

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– Magneto sagt, auf drei wirst Du aufstehen.
– Ausgeschlossen, Magneto (Magneto?) Ich werde nichts dergleichen tun.
– Magneto sagt eins, …
– Ich bin mächtiger als Du, Magneto. Und Dein Assistent, ich bitte Dich, das arme Hasenherz.
– Auch Hasenherz hat Macht. Die Macht der Unschuld, die aus haselnussbraunen, runden Augen strömt.
– Hasenherz macht, was ich ihm sage. Gib auf.
– Hasenherzens Blick wird von Magnetos Feuer gespeist. Dort, wo sich unsere Blicke kreuzen, dort wo ich das Flammenmeer entfach‘, stehst Du, nimm Dich in Acht.
– phh, phh, phh …
– Magneto sagt zwei, …
– Gut, hast gewonnen. Und jetzt?
– Weiß nicht.
– Wollt ihr gucken wie ich Falafel mache?
– Ja, warum nicht, ja das machen wir.
– Wolltest Du wirklich, dass ich in Flammen aufgehe, Ma-gne-to?
– Neeein, nicht.
– Und Du, Hasenherz?
– Ohgottohgott, nein.

Wünsche an den falschen Mann

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Schwere Schritte im Nebenraum, schlürfend, stockend, schnaufend, gurgelnd geht der Vorhang einen Spaltbreit auf. Sie wünschen? Licht, die Farbe Grün für den frischen Anstrich, Zuversicht, einen Vogel, der an die Hand angeflogen kommt, einen Rosengarten mit Duft, rote Tanzschuhe ohne Fluch, ein Meer gleich hinterm Wald, Hände, die Klavierspielen, Kaminfeuer, Stille, Sternenhimmel und fallende Sterne mit Schweif, Kekse, nicht zu süß (was soll’s), ein Band, das mich fest an das Leben bindet, freien Kopf, sorgenfrei, vieles soll bleiben wie es ist … Hier nicht! Na dann bleib‘ wo Du bist, Weihnachtsmann. Und schau‘ bei Gelegenheit in den Spiegel, alter Mann!

Das Tagewerk

imageDu hast wieder unser Frühstück vergessen. Das habe ich noch nie, Du Lump. Ich stehe auf und strahle, wenn auch noch auf Sparflamme in mich hinein. Das Frühstück ist schnell gemacht. Wir müssen raus und Du auch, die Vögel füttern. Ich weiß, also Mütze auf und hinaus. Jetzt Kaffee, seid still. Jetzt Arbeit. Du musst nicht arbeiten. Muss ich doch, allein Du kostest einen halben Lohn. Ich bin mit mir zufrieden. In das ewige Buch, auf die Haben-Seite trage ich „selbstlos“ hinzu. Warum nicht, stehe ich mal vorm Jüngsten Gericht, wird die beschönigte Selbsteinschätzung nicht meine größte Sünde sein. Ich lache wieder, bin gut gelaunt. Ich lege eine Pause ein, wir drehen eine Runde. Und dann, Ruhe, Ihr zwei, Matlock läuft. Kennen wir schon auswendig. Ich auch, gebe ich ausgelassen zu. Wieder Arbeit, dann ist Schluß. Jetzt ein wenig aufräumen. Vier braune Augen, zwei Bernsteine, zwei Haselnüsse folgen dem Mopp. Habt alles gut im Blick, nicht wahr? Hab‘ ich so eingerichtet. Alles in die Küche, es wird gekocht. Du musst so kochen, dass viel herunterfällt. Glaubst Du, dass weiß ich nicht, Herrgott, was da schon alles herunterfiel. Draußen wird es dunkel, wir gehen raus, ich spiele mit dem Taschenlampenlicht, wir sind schließlich allein. Das Tagewerk ist fast vollbracht. Gute Nacht noch und in den Schlaf hinterm Ohr und am Bauch kratzen.

War es viel, war es wenig? Oder reicht es, am Ende des Tages einfach zufrieden zu sein? Im Advent verlange ich irgendwie nicht mehr.

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An das Christkind

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Liebes Christkind, was machst Du eigentlich den ganzen Tag? Nicht jetzt vor Weihnachten, das weiß ich, Du kaufst ein. Zum Glück gibt es Internet. Ich meine im Sommer oder Herbst, jederzeit wenn man Dich braucht? Räumst Du den Himmel auf? Bist Du brav? Denkst Du oft an uns? Sorge Dich nicht. Wir biegen es schon irgendwie hin.

Stille Tage im Advent wünsche ich Dir.

Fürchtet Euch (nicht)!

melliterrasse

Schuhe an, Jacke an. Bewacht das Haus! Die Hunde haben es geahnt, ein Unheil naht. Die Ohren werden länger, die Augen runder, selbst das Fell glänzt stärker. Nichts auf der Welt wollen sie weniger tun als das. Kein Hund hat es je gewollt. Meine zwei – der liebe Alte und das arme Hasenherz sind nunmal keine Wachhunde. Einmal riss uns ein Fehlalarm aus dem Schlaf. Der eine Hund machte ein Auge auf. Mach‘ das weg, ich brauche meinen Schlaf. Der andere verkroch sich im Bett, nur das Augenweiß blitzte entsetzt auf.
– Wir sind nicht für die Sicherheit des Hauses und überhaupt niemandes Sicherheit zuständig, Du strullerst den falschen Baum an!
– Schon gut, es reicht, wenn ihr euch nicht fürchtet aber seht selbst dabei furchterregend aus. Wir Menschen sprechen gut auf Drohgebärden an. Bin gleich wieder da.
– Wehe, wenn nicht. Ohgottohgottohgottt, schnell.

Es gibt doch Schlimmeres, auch wenn’s hier dasselbe meint – allein zu sein. Allein, ein wunder Punkt insgesamt.