Zwei Hunde, zwei Ansichten

buc1

Ich: Wenn Du mit jemandem tauschen könntest, wer wäre das?
H1: Wenn ich tauschen könnte, was völliger Blödsinn ist, würde ich gerne mit mir selbst tauschen.
Ich: (Was kein Blödsinn ist) Ich dachte an einen Menschen …
H1: Ich mag Menschen nicht.
Ich: Du magst doch mich und ich bin ein Mensch.
H1: Bist Du nicht!
Ich: ?

Ich: Der andere Hund scheint nicht davon überzeugt zu sein, dass ich ein Mensch bin. Du zweifelst nicht daran, oder?
H2: Nein. Ich mag alle Menschen.
Ich: Das weiß ich, aber siehst Du auch die Schattenseiten?
H2: Nein.
Ich: Das nennt man blauäugig.
H2: Kein Mensch hat mir je Böses getan.
Ich: Vielleicht weil ich da bin?
H2: Bist doch ein Mensch.
Ich: (Ob das die Schattenseiten erklärt?) Soll ich uns Kürbisecken backen?
H2: Kürbisecken esse ich am allerliebsten.
H1: Ich auch.

Werbeanzeigen

Denis Denis …

image

Es ist ein schöner Morgen heute, ich fühle mich inspiriert. Ich lasse ein Bild entstehen. Das Bild vom perfekten Augenblick. Wie soll er sein? Ich sitze am großen Fenster, draußen ist November mit Regen und Wind. Nein, das nicht, das macht meinem Hund nur Angst. Dichter Nebel ist besser, ich schaue dann eben blind hinaus. Der Sessel ist antik. Doch nicht, könnte unbequem sein. Auch kein moderner, obwohl auf Knopfdruck steuerbar, das hat was. Zum Sessel kehre ich später zurück. Ich trinke Tee, einen aus meinem Buch, wenn ich es finde. Eingehüllt in eine Decke, die warm hält, aber nicht kratzt. Das Kaminfeuer brennt, muss nur genügend Holz auf Vorrat holen. Jetzt die Musik. Oper wäre zu feierlich, die Stimmung soll friedlich versunken sein, ein Celloquartett passt. Oder Lennons Imagine oder Pink Floyds More, noch besser. Ich weiß nicht. Jetzt kreischt auch noch Blondie Denis Denis, oh with your eyes so blue in meine Vorstellung hinein. Vom kleinen Moment des Glücks – sodass man sich vor Freude ins Hemd weint (wie Janosch sagt) bin ich, wie es scheint, mehrere Lichtjahre entfernt.

Warum fügt sich das Bild nicht von allein? Am Ende wegen, aber nicht nur, meiner ermüdenden Kleinkrämerei.

Das langweilige Risotto

image

Das Risotto schmeckt gut, der zweifache Hundeblick folgt besorgt dem Löffel, der heute öfter stockt. Ich plane Großes. Eine Reise, Peru vielleicht, nein, doch nicht so weit. Die Ostsee oder eine graue Stadt im Novembermatsch. Eine Ausstellung nicht weit von hier, es wird sich schon was finden. Morgen gibt es auch Risotto, aufgewärmt. Ach, wir gehen einfach in den Wald, müssen wir ohnehin und dort passiert’s. Etwas Großes. Wir finden einen Eimer voll Geld, schneiden einen Lebensmüden vom Ast ab, rennen vor Wildschweinen weg, retten uns auf die Bäume, stellen einen flüchtenden Tunichtgut, die Hunde beißen sich in den Waden fest, ich hole die Polizei. Muss daran denken, das Handy mitzunehmen. Ich langweile mich.

Der Besuch der Sonntagsmesse war früher Pflicht. Ich saß in der ersten Reihe und langweilte mich. Was, wenn Jesus jetzt zu mir spricht? Nur zu mir, die anderen hören es nicht. Steh‘ auf und komm‘ zu mir, sagt er. Würde ich aufstehen und hingehen? Ich entschied für mich, das würde ich nicht. Ich verstehe bis heute den Glauben nicht, wie er im Kern aussieht, noch was er in einem Menschen auslöst. Ich kann mir – und das nur beim besten Willen ein stetes Zweifeln, ein Zwiegespräch, einen Beistand, ein stilles Bündnis, das sich im Inneren vollzieht, vorstellen. Unverbindlich, ohne ein Glaubensbekenntnis. Was im Namen Gottes weltweit geschieht, kann nur menschlicher Natur sein, das Werk eines Gottes sehe ich darin wirklich nicht.

 

Et kütt wie et kütt

pavillon

Was kommt dabei heraus, wenn man die Zeit verstreichen lässt, währenddessen man sich selbst im Hintergrund hält? Was wird mir noch die Zeit bringen? Was habe ich bereits bekommen? Die leise Stimme ist nicht lauter geworden. Schade. Der Kopf scheint mir geordneter zu werden. Von den Schultern ist viel Last abgefallen. Ich lache gut dreimal so oft wie früher und breiter. Ich karte nicht nach, aber ich nehme mir nicht mehr soviel vor. Schade. Ich kann vom Alten Abschied nehmen, das Neue hat seinen Schrecken verloren. Ich bin leicht zusammenfaltbar. Leider. Nachtragend, kleinlich, ich glaube, daran ändert sich nichts. Zuverlässig, findig, gewitzt auch, trage Verantwortung – das war schon immer so. Ich bekenne mich, nicht allwissend zu sein und mag nur Menschen, die es ebensowenig sind. Ich warte auf Gesetztheit, das könnte mir gefallen. Ich sehe ein Vorankommen. Alles in einem halte ich fest, es hätte schlimmer kommen können. Et kütt wie et kütt und et hätt immer noch joot jejange. Liebes Köln, wir sehen uns wieder 🙂

KSA-39715_P_aufkleber_DINa7+10.5x10.5mm_V01.indd

Wir alle spielen Theater

rote_samtstühle

Hinaus, sage ich, stehe da mit ausgestrecktem Arm und angehobenem Kinn. Meine Hunde, denen die theatralische Geste gilt, lenken ein, sie haben verstanden. Hinausgehen werden sie freilich nicht, aber nun ärgern sie mich nicht. Wir sind ein eingespieltes Team, verstehen einander gut. Der dramatischen Pose bedürfte es eigentlich nicht. Ach was, schadet nix, spricht unbekümmert der Mensch aus mir. Ich habe eine Rolle zu spielen.

Von der Leichtigkeit des Seins

taubenschwaenzchen

Mein Spiegelbild lächelt mich an. Dreht den Kopf, schaut nach dem richtigen Licht, will gut aussehen. Ich mag das irgendwie nicht. Der verhuschte Blick auf das gramvolle, unaufgeräumte Gesicht ist mir lieber, vertrauter. Immerhin zwinkert mir das Spiegelbild nicht zu, wie es die beim Bäcker tun. Macht mich verlegen. Habe ich ein besonders gutes Brot gekauft? Kopf hoch? Oder wünscht man mir einen guten Tag noch? Soll ich dann „gleichfalls“ sagen? Wahrscheinlich nehme ich es zu schwer. Ja, das ist das Gesicht, das ich gut kenne.

Die Weltpolitik im Gartenlicht

amsel

Der Bilderberg tagt wieder, sagte meine Freundin, nachdem wir das Thema Hunde – sie zwei, ich ebenfalls zwei – abgeschlossen hatten. Ahmmm, wie, schon wieder, war es mir als Antwort wert. Ist klar, was dabei herumkommt, legte meine Freundin wissend nach. Ja, ja, bestätigte ich unwissend. Ich dachte an Loriot. Und fragte mich, wer macht denn nun die Weltpolitik? Ich fürchte, u.a. meine Freundin und ich. Ich gehe lieber in den Garten, es gibt ein schönes Licht.

Heile machen. Das Interview/2

schmetterling

Ich: Blitz und Donner, Feuerwerk, Bohrmaschine …
H: Ohgottohgottohgottt
Ich: Regen, Kettensäge … Stimmt es, dass Du mal vor laufenden Wasserhähnen Angst hattest?
H: Ohgottohgottohgottt, der Wasserhahn, ohgottohgottohgottt
Ich: Du magst aber, wenn ich Dich mit dem Staubsauger absauge. Die meisten Hunde haben Angst vor einem Staubsauger.
H: Ich nicht.
Ich: Du bist auch sehr mutig. Weißt Du eigentlich, dass Du ein miserabler Menschenkenner bist?
H: Ich mag alle Menschen.
Ich: Ja. Was ist Deine Lieblingsfernsehserie?
H: Dr. Quinn.
Ich: Läuft zur Zeit nicht. Soll ich die Waltons für Dich einschalten?
H: Ja.
Ich: Gute Nacht, mein Schatz.
Gute Nacht, gute Nacht, gute Nacht …
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Sonne für diese Erde, auf der wir wohnen …