Heldenzeit

Meine literarischen Helden sind gefiedert (Fup, die Ente) oder gehörnt (Ferdinand, der Stier). Keine Menschen. Es ist Tierisch um mich herum. Aufgefallen ist es mir als ich von Nachbarn zu Kuchen eingeladen, auf die Frage, wie ich meinen Kaffee trinke, verkündete: „Wir trinken unseren Kaffee weiß ohne Zucker“. Einfach so, unreflektiert und zunächst unbemerkt ist der Pluralis Majestates aus mir herausgesprudelt. Wieder daheim begrüßten mich stürmisch die Hunde, beleidigt zwar, aber wie soll schon ein Hund seine Freude überspielen? Mit breitem Strahlen und einem knuffigen Ruck mit den Armen sagte ich: „Jetzt machen wir uns aber ein feines Häppchen für Zwischendurch“. Pluralis Majestates, der Krankenschwesternplural.

Dann fiel mir Fup ein und Ferdinand, vielleicht noch Pinocchio, halb Mensch halb Holzpuppe (in ewiger Hassliebe verbunden). Keine Menschen.

Tierische Zeiten. Weil es herausschallt wie man hineinruft? Ich habe nicht hineingerufen. Wahrscheinlich reicht es aber in lärmenden Zeiten nicht aus, da müßte man schon den Mut haben vorzutreten. Habe ich auch nicht.

Andererseits, vielleicht gibt’s nichts Besseres als das Tierische in uns. Aus ihren (namentlich den der Hunde) Augen leuchtet das unzerstörbare Prinzip, also die Urkraft in allem Lebendigen, wie schon Schopenhauer richtig erkannte.

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